Zum Film „Naz’a“ von Rachel Szor und Yuval Abraham
[Update 5.10.2026] https://www.arte.tv/de/videos/129854-000-A/israel-den-krieg-unter-der-haut
Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
15. September um 08:38
(zitiert aus https://www.facebook.com/juedischestimme )
Der Film „Naz’a“ von Rachel Szor und Yuval Abraham sorgt weiterhin weltweit für Wellen und natürlich auch in Israel, das seit seiner Gründung mit der massiven Leugnung seiner Verbrechen beschäftigt ist. Der israelisch-jüdische Journalist Raviv Drucker, der die Verbrechen Israels rechtfertigt und mitverantwortet – zusammen mit fast allen israelisch-jüdischen Medien (ja, auch mit der Zeitung „Haaretz“, die gelegentlich Fotos von ermordeten Kindern veröffentlicht, aber nie gefragt und untersucht hat, was Yuval Abraham und Rachel Szor untersucht haben) –, veröffentlichte gestern einen Artikel in dieser Zeitung mit der Überschrift „Ich habe den Film Naz’a gesehen. Es war sehr schwer. Ich war erschüttert, aber“. Wir kennen dieses „aber“ im Stil von „Die Nazis waren schrecklich, aber… “ (Sie haben gute Autobahnen gebaut“ oder ähnliches.)
Gestern Abend interviewte Drucker Yuval Abraham über den Film, und wenn wir ihn schon vorher geschätzt haben und im Anschluss an seine Recherchen bei „Local Call“, so beweist er in diesem Interview seine Menschlichkeit noch mehr. Blass und abgezehrt, nachdem er erzählt (als Antwort auf einer Frage, er stellt sich nie im Zentrum des Geschehens), dass er alle Apps auf seinem Mobiltelefon gelöscht hat, nachdem er mit Bildern von sich, Bildern seiner Mutter und Drohungen der Aberkennung der Staatsbürgerschaft durch „Kulturminister“ Miki Zohar überflutet wurde. Er gibt nicht vor, sich schlecht zu fühlen, und schafft es gleichzeitig, alle Argumente von Raviv Drucker zu zerlegen, dem man wirklich ansehen kann, wie er sich bedroht fühlt – und er hat gute Gründe dafür.
Wir bringen hier einen Teil der Fragen und Antworten aus dem Interview in Form einer Zuammenfassung auch weil sie weiterhin im Rahmen der Kampagne auftauchen werden, die Israel gegen die Wahrheit organisiert, die der Film und die israelischen Soldaten enthüllen.
- Die Frage nach der Anonymität der Soldaten, die aussagen
Journalisten wahren die Identität ihrer Quellen, nicht erst seit gestern. Auch die Watergate-Affäre basiert auf „Deep Throat“, wie auch Tausende andere gute journalistische Arbeiten. Die Tatsache, dass ein israelisch-jüdischer Hofjournalist die Zeugnisse anzweifelt, weil sie anonym sind, zeugt vor allem von ihm selbst („Ich wundere mich über dich, Raviv“, sagt ihm Abraham). Die Zeugnisse wurden von einem ganzen Team verifiziert, der Film wurde in Zusammenarbeit mit dem Guardian produziert und sie wurden mit verschiedenen Ereignissen abgeglichen, bei denen Israel Hunderte Palästinenser ermordete, und wurden zum Beispiel auch in der New York Times veröffentlicht.
Drucker zweifelt an der Notwendigkeit, die Glaubwürdigkeit zu wahren, und fragt gleichzeitig Abraham – der das Risiko eingeht und als Reggiseur unter seinem Namen auftritt –, ob er keine Angst vor den Reaktionen in Israel habe. Abraham erinnert ihn auch daran.
Darüber hinaus, wie Anat Saragusti, die israelisch-jüdische Journalistin in einem Facebook-Post erwähnt: Israel veröffentlicht ständig seine Soldaten (früher waren es nur hochrangige Kommandeure und Chefs der Geheimdienste, heute läuft jeder einfache Soldat herum und wird mit Maske gefilmt oder sein Gesicht wird verpixelt – wie in diesem Interview auf einem israelischen Mainstream-Fernsehsender) anonym. Sie tun das, weil sie seit Beginn des Völkermords Klagen außerhalb Israels fürchten. Wenn sie sprechen und in israelischen Medien interviewt werden – zweifelt natürlich niemand an ihrer Glaubwürdigkeit, auch nicht, wenn sie hinter einer Maske sind. - Abraham wird gefragt, warum er nicht die „Filme der Geiseln“ gebracht oder nicht genug über den 7. Oktober gesprochen habe. Wieder der alte Trick der israelischen Hasbara. Jedes Mal, wenn von Verbrechen Israels die Rede ist, versucht man, uns in die Hängematte im Schatten zurückzubringen, in der Israel in seiner Opferrolle ruht. Als ob das etwas ändern würde. Es ändert etwas psychologisch für israelisch-jüdische und ihre Helfer – weil es ihnen ermöglicht, „gut“ zu bleiben und weiter zu leugnen. Nicht mehr als das. Abraham antwortet ihm, dass der Film nicht darüber sei und dass er, Drucker, wenn er wolle, selbst einen anderen Film machen und ihn vorführen könne. Und hier kommen wir zum wichtigen Punkt.
- Abraham spricht über die fehlende Solidarität von Journalist:innen wie Drucker (und das gilt für jeden Journalist:in des Westens, der sieht, wie Israel mehr als 200 seiner Kolleg:innen in Palästina und Libanon ermordet, und in derselben Hängematte des Opfer-Israels ruht). Drucker ist, während sein Kollege angegriffen wird und seine Staatsbürgerschaft wegen journalistischer Arbeit kurz vor der Aberkennung steht, nicht in der Lage, ein Wort der Solidarität herauszubringen. Abraham erinnert ihn an die Machtverhältnisse: Drucker ist älter, senior-mäßig (begann natürlich beim Armeerundfunksender), hat Kontakte mit allerlei „hochrangigen Militärs“ und Zugang zum Hauptquartier der Armee in Tel Aviv und anderen Orte, die Yuval Abraham nicht hat. Abraham hat allen seine Recherche bei „Local Call“ vorgelegt, und niemand in Israel hat diesen aufgegriffen. Drei Jahre lang gab es keinen einzigen journalistischen Beitrag über die Schusseröffnungspolitik der israelischen Armee. Zwanzigtausend Kinder sterben in Gaza, und kein Akteur in den Medien stellt dazu Fragezeichen auf und ist dann wütend auf den, der es tut.
Und all das gilt auch für Deutschland:
Drei Jahre Völkermord, und es gibt kaum Fragen zur Mordpolitik Israels. Im besten Fall gibt es eine Zeile über „Israels Kriegsführung“. Die Journalisten in Deutschland – wenn sie wirklich mutig sind – beschäftigen sich mit irgendeiner „Antisemitismusdebatte“. Die israelische Armee – wie bei israelisch-jüdischen Journalisten – ist immer heilig, und sie plappern die Position des Armeesprechers nach. Dieser Film ist problematisch für Israel, auch weil er es an seinen kannibalischen Ort zurückbringt: - Drucker versucht, die Worte der Soldaten, die aussagten, zu verzerren und ihnen Worte in den Mund zu legen (über einen Soldaten, der erzählt, dass er das Töten genoss, sagt er: „Ich habe verstanden, dass er es genoss, Hamasniks zu ermorden.“ Abraham wahrt Souveränität und antwortet ihm: „Er sagt, dass er die Ausführung der Aufgabe und ihre Erfüllung genoss. Dass er überhaupt nicht daran dachte, wer auf der anderen Seite seines Visiers war.“). Abraham erzählt, dass es nicht sehr schwer war, die Soldaten zu finden, die aussagen würden. Sie warteten nur darauf, dass jemand sie fragt und sie erzählen können. Das heißt, sie wissen, dass sie Verbrechen begehen und begangen haben, und spüren offenbar das Bedürfnis, sie zu beichten, wie die Tausenden Zeugnisse bei der Organisation „Breaking the Silence“. Israel wird anfangen müssen, jeden Soldaten zu liquidieren, der nicht anonym erzählt, was er getan hat, so wie es seine Geiseln liquidierte, die es als Alibi für den Völkermord benutzte (an alle Propagandisten: jetzt ist bereits klar, dass die Hamas bereit war, alle am 8. Oktober freizulassen, einige ohne jede Gegenleistung, sodass die Hofjournalisten Israels in Deutschland auch nicht sagen können, dass die Zustimmung „dem Terrorismus Nachschub leistet“ o.Ä.). In der Zwischenzeit versucht Israel, eine gezielte zivile Liquidierung von Journalisten durchzuführen, die seine jüdischen Bürger sind, weil Israel versteht, worum es geht. Israel verbietet nicht zufällig Journalist:innen in den Gazastreifen einzureisen.
Also erinnert die ganze Angelegenheit an den alten Witz über den Juden, der in einer zaristischen Stadt etwas betrunken die Straße entlangging und rief: „Der Kaiser ist ein Idiot!“ Polizisten schnappten ihn und brachten ihn vor einen Richter. Zu seiner Verteidigung behauptete er, er habe den österreichischen Kaiser gemeint. „Nun wirklich“, sagt ihm der Richter, „wen willst du reinlegen. Wenn ein Idiot – nun, dann ist es doch klar, dass es unserer ist!“
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