Streitkultur

Ein Zitat aus einem Rundbrief der Kölner DFG-VK-Gruppe:

„In der Praxis ist das Frieden-Machen natürlich schwieriger als in der Theorie. Wenn wir bei den bevorstehenden Ostermärschen wieder kraftvoll Diplomatie und Verhandlungen zur Beilegung internationaler Konflikte fordern, erhöhen wir unsere Glaubwürdigkeit dadurch, dass wir die vergleichsweise harmlosen Konflikte in unserer Friedensbewegung selbst gut bearbeiten.

Wie können Konflikte gut bearbeitet werden?

Mit einer guten Streitkultur: https://forum-streitkultur.de/gute-streitkultur/

Es gibt ein Plakat zur Streitkultur,
das im Kölner Friedensbildungswerk, wo sich monatlich auch die Kölner DFG.VK-Gruppe trifft,
eine Zeit lang an einer Wand hing.

Es ist eine hoch-ironische Karikatur der Streitkultur,
die zeigen soll, wie nicht vorgegangen werden sollte.

Streitkultur

  1. Verhärtung
    Die Standpunkte verhärten sich und prallen aufeinander.
    Das Bewusstsein bevorstehender Spannungen führt zu
    Verkrampfungen. Trotzdem besteht noch die Überzeugung,
    dass die Spannungen durch Gespräche lösbar sind.
    Noch keine starren Parteien oder Lager.
  2. Debatte und Polemik
    Die Debatte wird schärfer geführt. Es findet eine Polarisation im
    Denken, Fühlen und Wollen statt. Sogleich entsteht ein Schwarz-
    Weiß-Denken und eine Sichtweise von Überlegenheit und Unter-
    legenheit.
  3. Taten statt Worte
    Die Überzeugung, dass „Reden nichts mehr hilft“, gewinnt
    an Bedeutung und man verfolgt eine Strategie der vollendeten Tat-
    sachen. Die Empathie mit dem „anderen“ geht verloren,
    die Gefahr von Fehlinterpretationen wächst.
  4. Images und Koalitionen
    Die „Gerüchte-Küche“ kocht, Stereotypen und Klischees werden
    aufgebaut. Die Parteien manövrieren sich gegenseitig in negative
    Rollen und bekämpfen sich. Es findet eine Werbung um Anhänger
    statt.
  5. Gesichtsverlust
    Es kommt zu öffentlichen und direkten (verbotenen) Angriffen,
    die auf den Gesichtsverlust des Gegners abzielen. Dem Gegner wird
    Verrat, Manipulation oder Lüge vorgeworfen.
  6. Drohstrategien
    Drohungen und Gegendrohungen nehmen zu. Durch das Aufstellen
    von Ultimaten wird Stress erzeugt und die Konflikteskalation be-
    schleunigt.
  7. Begrenzte Vernichtungsschläge
    Der Gegner wird nicht mehr als Mensch gesehen. Begrenzte Ver-
    nichtungsschläge werden als „passende“ Antwort durchgeführt.
    Umkehrung der Werte: ein relativ kleiner eigener Schaden wird
    bereits als Gewinn bewertet.
  8. Zersplitterung und Zerstörung
    Die physische, psychische oder wirtschaftliche Zerstörung des
    Gegners wird als Ziel intensiv verfolgt.
  9. Gemeinsam in den Abgrund
    Es kommt zur totalen Konfrontation ohne einen Weg zurück.
    Die Vernichtung des Gegners zum Preis der Selbstvernichtung wird
    in Kauf genommen