18.6.2026: Terre des Hommes zu minderjährigen Geflüchteten und GEAS
[Update 18.6.2026] Die GEAS Gesetzgebung wird für geflüchtete Menschen und somit auch für geflüchtete Kinder die Situation weiter verschärfen. Terre des Hommes und andere Organisationen haben mehrfach dagegen protestiert. Einige Informationen zu GEAS von Terre des Hommes unter folgendem Link:
https://www.tdh.de/geas-fragen-und-antworten
Bei der Veranstaltung wird Anna Weber von der Geschäftsstelle in Berlin einen Bericht vorstellen,
„Angekommen aber nicht sicher“. Der Bericht dokumentiert die Folgen der Gewalt gegen Kinder auf der Flucht für ihre psychische Gesundheit, ihre Rechte und Teilhabe in Deutschland. Anna ist eine der Verfasserinnen des Berichtes. Sie können den Bericht unter folgendem Link herunterladen:
https://www.tdh.de/angekommen-aber-nicht-sicher ( https://www.tdh.de/informieren/materialshop )
Terre des Hommes-Gruppe Bergisch Gladbach lädt ein:
Wann? 18.06.2026, 19:00-21:00 Uhr
Wo? Stadtbücherei im Forum, Hauptstraße 250,51465 Bergisch Gladbach
Vortrag und Austausch: Kinder auf der Flucht
Vortrag: Kinder auf der Flucht – Ankommen in Deutschland

18.06.2026 | 19:00 Uhr | Bergisch Gladbach
Jeder dritte Asylantrag in 2024 stammte von einem Kind oder Jugendlichen. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt und Armut und sie brauchen Schutz. Doch was passiert, wenn sie in Deutschland ankommen? Werden ihre Rechte gewahrt? Und was können wir als Gesellschaft auf lokaler Ebene konkret tun? Diesen und weiteren Fragen widmen sich verschiedene Initiativen aus Bergisch Gladbach – darunter die Terre des Hommes-Gruppe Bergisch Gladbach.
Ziel des Abends ist es, für die Situation geflüchteter Kinder in Deutschland zu sensibilisieren. Gleichzeitig sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sich jede*r persönlich engagieren kann, damit Kinder sicher ankommen und Perspektiven erhalten. Moderator Markus Bollen begleitet durch einen abwechslungsreichen Abend mit Fakten zum Thema, Einblicke in die zivilgesellschaftliche Arbeit vor Ort, Erfahrungsberichte junger Geflüchteter sowie Raum für gemeinsamen Austausch.
Kommen Sie vorbei und erfahren Sie, wie auch Sie die Rechte geflüchteter Kinder auf Schutz, Förderung und Teilhabe stärken können.
Eintritt frei!
Programm:
- Fachvortrag zu Kinderrechten und Flucht
- Einblicke aus der Praxis in Bergisch Gladbach
- Zusammenarbeit christlicher und islamischer Organisationen
- Erfahrungsberichte junger Geflüchteter
- Austausch mit den Vortragenden in kleinen Gruppen
Wann? 18.06.2026, 19:00-21:00 Uhr
Wo? Stadtbücherei im Forum, Hauptstraße 250,51465 Bergisch Gladbach
Kontakt: Terre des Hommes-Gruppe Bergisch Gladbach bergisch.gladbach@tdh-ag.de | https://www.tdh-ag.de/bergischgladbach.html
Veranstalter: Terre des Hommes-Gruppe Bergisch Gladbach in Kooperation mit Aktion Neue Nachbarn im Erzbistum Köln, Bündnis gegen Rassismus und für Vielfalt, DAIK e.V. (Deutsch-Albanisch-Islamisches Kulturzentrum Bergisch Gladbach e.V.), JugendMigrationsdienst Rhein-Berg, Stadtbücherei Bergisch Gladbach unter der Schirmherrschaft von Marcel Kreutz, Bürgermeister Bergisch Gladbach.
Mehr über die Situation von Kindern in Erstaufnahme-Einrichtungen erfahren Sie auf unserer Website: Kein Ort für Kinder
Auch der NDR berichtete: https://www.ndr.de/kultur/kein-ort-fuer-kinder-ausstellung-ueber-leben-in-erstaufnahme-einrichtungen,ausstellung-234.html
Quelle, eigene Recherche mit Google KI:
Mit dem Inkrafttreten der GEAS-Reform am 12. Juni 2026 ziehen Kinderrechtsorganisationen wie Terre des Hommes eine überwiegend negative Bilanz. Zwar wurden punktuell langjährige Forderungen in den Gesetzestext aufgenommen, die Kernanliegen zum Schutz vor Freiheitsentzug wurden jedoch nahezu vollständig übergangen.Die Bundesregierung hat sich bei der nationalen Umsetzung im GEAS-Anpassungsgesetz für einen sehr restriktiven Kurs entschieden.

Aus der TAZ:
Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) besteht auf europäischer Ebene aus zehn Rechtsakten und Tausenden Seiten Papier. Die deutsche Umsetzung ist kleinteilig in verschiedenen Gesetzen geregelt, die aufeinander und auf das europäische Recht verweisen.
=== Zitat aus https://taz.de/GEAS-Reform/!6186417/
Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) besteht auf europäischer Ebene aus zehn Rechtsakten und Tausenden Seiten Papier. Die deutsche Umsetzung ist kleinteilig in verschiedenen Gesetzen geregelt, die aufeinander und auf das europäische Recht verweisen. Viele Verweise führen ins Leere. Denn handwerkliche Schwäche trifft hier auf den Versuch, politisch Gewolltes unbedingt umzusetzen.
Für Betroffene ist es unmöglich, die Regelungen zu überblicken. Auch juristisch tätige Personen sehen sich einem bürokratischen Monster gegenüber: europäische Regelungen, die deutsche Umsetzung und darüber hinaus Grund- und Menschenrechte auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene. Allein um die Rechtslage zu verstehen, müssen drei Gesetzgebungsebenen, die sich häufig widersprechen, nebeneinandergehalten und es muss ständig hin- und hergeblättert werden. Das ist ungewöhnlich und wird zwangsläufig zu Fehlern führen.
Versprochen wurden die Neuregelungen als Vereinheitlichung des europäischen Asylrechts. Geliefert wurde ein Flickenteppich, der die Rechtsunsicherheit erheblich verschärft. Das Geas ist ein Musterbeispiel für die politische Strategie, Recht so kompliziert wie möglich zu machen, damit es niemand versteht.
Das steht im Widerspruch zum rechtsstaatlichen Gebot der Vorhersehbarkeit der Rechtsanwendung. Vorhersehbar ist am Tag der Anwendung wenig. Zahlreiche Zuständigkeiten, etwa für das neu eingeführte „Screening“ oder die Altersbestimmung, sind ungeklärt. Auch Projekte wie die „Sekundärmigrationszentren“ sind unklar. Wo die neue Asylverfahrenshaft stattfinden soll – die auch für Kinder und Familien möglich sein wird –, weiß niemand. Die meisten Mitgliedstaaten haben nicht einmal ihr nationales Recht angepasst. Es ist teilweise vollkommen unklar, was ab Freitag mit Menschen passiert, die Schutz suchen.
Viele Verschärfungen sind rechtswidrig
Klar ist, dass das neue Geas zahlreiche Verschärfungen mit sich bringen wird. Eine Ausweitung von Grenzverfahren, Inhaftierungen und viele andere Maßnahmen, die die Freiheit beschränken. Und: Schutzsuchenden werden zahllose Mitwirkungspflichten auferlegt, die sie in einer fremden Umgebung und einem unübersichtlichen System nicht kennen können.
Doch das neue Geas verzeiht nichts. Schon bei kleinsten Fehlern droht die Einstellung des Verfahrens oder die Kürzung von Sozialleistungen. Dabei wurde eine „Bett, Brot und Seife“-Politik erst jüngst vom Europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich allerdings auch schon gegenüber anderen Gerichtsentscheidungen ziemlich gleichgültig.
Auch Persönlichkeitsrechte existieren nicht einmal mehr auf dem Papier. Verschiedene Register, unregulierte Datensammlungen und KI-basierte Abgleiche folgen einem Sicherheitsnarrativ, das Schutzsuchende zu Objekten staatlicher Abschottungspolitiken macht.
Viele der Verschärfungen bleiben hinter menschenrechtlichen Mindeststandards zurück, sind deshalb rechtswidrig und werden – eher später als früher – von Gerichten gekippt werden. Denn natürlich, so der Tenor, können Betroffene ihr Recht weiterhin in rechtsstaatlichen Verfahren durchsetzen. Nur werden zum einen die rechtlichen Mittel abgebaut und zum anderen stellt sich die Frage, wie Betroffene, die in „Sekundärmigrationszentren“ inhaftiert sind, überhaupt rechtlichen Beistand erlangen sollen.
Das Recht, Rechte zu haben, bedeutet aber, dass diese eben keine Versprechen bleiben, sondern auch durchgesetzt werden können. Mit dem neuen Geas wird dies erheblich erschwert, teilweise sogar unmöglich gemacht.
Testlauf für Abbau von Rechtsstaatlichkeit
Doch Rechtsschutz sowie Grund- und Menschenrechte schützen die Demokratie, indem und weil sie Minderheiten schützen. Denn nur da, wo Menschen, die nicht in der Mehrheit sind, ihre Stimme erheben können und nicht um ihre Freiheit und Gesundheit fürchten müssen, kann Meinungsvielfalt und Mitbestimmung entstehen. Damit Herrschende – auch wenn für den Moment demokratisch legitimiert – Demokratie und Grundrechte niemals abschaffen können, müssen Grund- und Menschenrechte für alle und ohne Kompromisse gelten.
Zu prüfen, ob Grund- und Menschenrechte verletzt sind, ist Aufgabe des Rechtsstaats. Es ist deshalb keine Überraschung, dass die Abschaffung von Rechtsstaatlichkeit, Grund- und Menschenrechten und Demokratie nicht bei einem selbst, sondern bei anderen beginnt. Vor allem bei jenen, die keine Lobby haben, weil sie Projektionsflächen für Ängste sind und nicht für sich selbst sprechen können, weil sie eingesperrt oder schon zurückgewiesen sind.
Dies zeigt sich gerade eindrucksvoll in den USA, wo die Einwanderungsbehörde ICE Grundrechte von Migrant:innen – und Unterstützenden – buchstäblich kurz und klein schießt. Dies zeigt sich aber auch, wenn Menschen in Europa an der Grenze zurückgewiesen, ohne Verfahren abgeschoben und eingesperrt werden.
Werden Leistungen für Asylsuchende unter das gekürzt, was die Menschenwürde gebietet, ist dies auch ein Testlauf für andere, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Werden Daten unreguliert gesammelt und abgeglichen, kann das auch andere betreffen. In den USA nutzt ICE Palantir und Echtzeitdaten, um Migrant:innen zu jagen, in der EU kann Ähnliches bevorstehen.
Fehlende Solidarität hat Konsequenzen
Die Geas-Reform und der damit einhergehende Abbau von Grund- und Menschenrechten kommt im aktuellen politischen Klima nicht allein. Auch die zunehmende Bagatellisierung von Gerichtsentscheidungen als „Einzelfälle“, die Einschüchterung der Zivilgesellschaft durch rechte Medien oder mit Anfragen zur „politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ und die Kürzung bei Demokratieprojekten reihen sich hier ein.
In dem berühmten Gedicht des Theologen und KZ-Häftlings Martin Niemöller heißt es über die Gefahr des Schweigens und unterlassener Solidarität während der NS-Zeit, dass er stets geschwiegen hat, solange andere betroffen waren, bis er selbst betroffen war – doch dann war niemand mehr da, um zu protestieren. Daran hat sich nichts geändert. Das neue Geas und der Abbau von Grund- und Menschenrechten gehen uns alle etwas an.
=== Zitat taz ENDE ===