Wind, Flaute oder Sturm

„Holodomor“: Der erfundene Völkermord

[Update 16.6.2022] Zur israelischen Weigerung, den Holodomor als Völkermord anzuerkennen: „Obwohl Israel offiziell zustimmt, dass die ukrainische Nation eine kolossale Tragödie überlebt hat, bei der Millionen von Menschen starben, will es dennoch keinen Schritt unternehmen, um den Holodomor als Völkermord an der ukrainischen Nation anzuerkennen, solange der Begriff „Völkermord“ verwendet wird. Laut dem Botschafter starben auch viele Juden durch diese Hungersnot. „Für uns ist es sehr schwer zu sagen, dass er [der Holodomor] sich gegen das ukrainische Volk richtete“, sagte Herr Lion. „Your heroes are our nightmare“: Israeli Ambassador on Ukraine relations and Holodomor recognition – Euromaidan Press

[Update 16.6.2022] Der Begriff `Holodomor` ist eine ukrainische Wortneuschöpfung, die in etwa »Mord durch Hunger« bedeutet und dessen klangliche Ähnlichkeit mit dem Wort »Holocaust« wohl beabsichtigt ist. Tatsächlich werden in einem Aufsatz in Kyivpost ( https://www.kyivpost.com/article/opinion/op-ed/genocide-in-ukraine-the-challenge-of-establishing-criminal-intent.html ) beide Begriffe „The Holodomor and the Holocaust“ in einem Atemzug genannt und in Beziehung gesetzt. In einem Vortrag mit dem Titel: „Der Holodomor als Völkermord – Tatsachen und Kontroversen“ auf einer Tagung „Holodomor 1932-33. Politik der Vernichtung“ wurde aber immerhin dargestellt, dass es am Holodomor auch Zweifel geben darf:

Während in der ukrainischen Forschung die Genozidthese inzwischen weitgehend Konsens ist, besteht in der westlichen Forschung ein breites Spektrum von der Akzeptanz der Völkermordthese bis hin zu einer vehementen Ablehnung. James Mace und Andrea Graziosi gehören zu den Befürwortern der Einordnung des Großen Hungers als Völkermord, ebenso Roman Serbyn und manche andere. Auch Terry Martin stimmt dem jedenfalls teilweise zu. Mark Tauger lehnt dagegen eine Tötungsabsicht ab und glaubt im wesentlichen an eine Naturkatastrophe. Dies ist allerdings in der westlichen Forschung heute eine seltene Extremposition.

Gerhard Simon, Referat bei der Tagung „Holodomor 1932-33. Politik der Vernichtung“, Mannheim 24. November 2007. https://osteuropa.lpb-bw.de/simon-holodomor-als-voelkerm

„in der westlichen Forschung heute eine seltene Extremposition“ … aber deshalb falsch?  Thanasis Spanidis spricht vom Holodomor-Mythos als einer Lüge, und schreibt abschließend, in einer ausführlichen Abhandlung des Themas:

 Lügen haben nur dann kurze Beine, wenn sie nicht von mächtigen Interessen unterstützt werden. Der »Holodomor« aber erfüllt mindestens eine dreifache politische Funktion: Erstens und vor allem geht es darum, das aus der Oktoberrevolution hervorgegangene System als mörderische und menschenverachtende Diktatur darzustellen und damit die Vision einer sozialistischen Gesellschaft, also der planmäßigen Produktion und Verteilung der Güter in einer Gemeinschaft der Gleichen, an sich zu diskreditieren. Zweitens wollen bestimmte Kreise mit dem »kommunistischen Völkermord« die Verbrechen der deutschen Faschisten und ihrer Verbündeten, insbesondere ihrer ukrainischen Hilfstruppen, relativieren, in den Hintergrund rücken oder gar als Reaktion auf den »stalinistischen Terror« darstellen. Und drittens schließlich ist der »Holodomor« ein nützliches Propagandainstrument im Dienste des westlichen Imperialismus und der fanatisch antirussisch eingestellten Regierungen in Osteuropa, allen voran der ukrainischen. Russland wird als Nachfolgestaat eines genozidalen Systems angeprangert, um tief verwurzelte Vorurteile und Ängste der Bevölkerungen gegenüber einem angeblich typisch russischen Despotismus zu mobilisieren. Das verfälschte Geschichtsbild des ukrainischen Nationalismus dient nicht zuletzt dem Kiewer Putschregime zur Rechtfertigung seiner Politik. Es bedarf wohl keiner großen Voraussicht, wenn man also davon ausgeht, dass uns die Legende vom »Holodomor« noch eine Zeitlang erhalten bleiben wird.

Thanasis Spanidis am 23.06.2017 in der Jungen Welt

Der ukrainische Wissenschaftler und Überlebende der Shoa Boris Zabarko – (Assoziation der Holocaust- und Ghettoüberlebenden) über die Shoa in der Ukraine und über das Massaker von Babyn Jar, über die es keine Zweifel geben kann:

[Update 15.6.2022] Omid Nouripour, der Grünen-Kovorsitzende hat sich jetzt dafür ausgesprochen, die Hungersnot in der Ukraine zwischen 1932 und 1933 – den sogenannten Holodomor – als Genozid einzustufen. Die Anerkennung dieses grausamen Verbrechens sei ein wichtiges Signal der Empathie und des Geschichtsbewusstseins. Als DPA-Meldung wurde diese Aussage von vielen Zeitungen übernommen. Die Junge Welt berichtete auch darüber, aber als eine der wenigen, mit kritischer Distanz:

Das ukrainische Wort Holodomor steht für »Mord durch Hunger«. Es bezeichnet eine große Hungersnot, von der immer wieder behauptet wird, die politische Führung der damaligen Sowjetunion unter Josef Stalin habe sie gezielt verursacht.

https://www.jungewelt.de/artikel/428238.holodomor-laut-gr%C3%BCnen-chef-genozid.html

Einen gut belegten wissenschaftlichen Artikel zur Holodomar-Frage von Thanasis Spanidis hatte die Junge´Welt schon am 23.06.2017 veröffentlicht

[Update 26.5.2022] Im Deuschlandfunk wurde am 10.01.2021 über neue Forschungen in der Pflanzenzüchtung berichtet, und auch an den Pflanzenforscher Lyssenko aus der frühen Sowjetunion erinnert, dessen Ideen, wissenschaftlich ungenügend belegt, in einem Großexperiment, zu Mißernten führten. Das konnte geschehen, weil Stalin und die sowjetische Führung seinen Methoden glaubte. Die Absicht war Ernteerträge zu verbessern und Hungernsnot abzuwenden. Aber das Ergebnis war eine Mißernte, also das genaue Gegenteil. Welchen Anteil dieses mißglückte Experiment an den Hungersnöten in den 1930er Jahren hatte, ist uns nicht klar, und müßte wohl noch erforscht werden. Immerhin wird hier nicht, wie bei Laurin, die Absicht unterstellt, eine Hungersnot zu verursachen. Was aber vorgeworfen werden könnte, wäre falscher Wissenschaft geglaubt zu haben, und sie über die Erfahrungen der Bauern gestellt zu haben. Tatsächlich steht die Menschheit aktuell vor neuen Umwelt- und auch Hungerkatastrophen, und auch heute gibt es die Idee, Pflanzen zu züchten, die mit neuen Umweltbedingungen besser umgehen können. Davon handelt der Beitrag: Pflanzen züchten mit Epigenetik, Lyssenkos Geist:

Die Menschheit braucht dringend neue Nutzpflanzen, angepasst an eine sich verändernde Welt. Kann die noch junge Epigenetik dabei helfen? Ähnliche Ideen verfolgte zu Sowjetzeiten bereits Trofim Lyssenko. Seine Versuche führten allerdings zu katastrophalen Missernten. Kehrt Lyssenkos Geist nun zurück?

https://www.deutschlandfunk.de/pflanzen-zuechten-mit-epigenetik-lyssenkos-geist-100.html

Holodomor, die von Stalin initiierte Hungerkatastrophe ?

Olaf Swillus

In einem Artikel von Stefan Laurin, der eigenlich den aktuellen Krieg in der Ukraine zum Thema hat:
https://www.ruhrbarone.de/im-fall-der-niederlage-droht-der-ukraine-ein-blutfrieden/
wird neben vielem anderen auch von

„Holodomor, der von Stalin initiierten Hungerkatastrophe,“

Laurin, Ruhrbarone

so selbstverständlich geschrieben, als wenn es Allgemeinwissen und auch so geschehen wäre.

In ihm seien den „30er Jahren bis zu sieben Millionen Menschen ums Leben“ gekommen,
meint der Ruhrbaron-Autor Stefan Laurin.

Facebook-Gruppe „Duisburg ~ Stadt – und Bürgerpolitik“ (1424 Teilnehmer – Stand 26.2.2022)

Der BUND hat gar nichts „klar geregelt“. Die Prozentzahl ist nicht nur fragwürdig, sondern auch völlig irrelevant.

Mit diesem Thema wurde ich auch schon vor Jahren durch Mitglieder des Essener BUND Kreisverbandes konfrontiert, als Grund dafür, dass der BUND nicht mit der Umweltgewerkschaft zusammen arbeiten solle.

Offenbar nach einer Gleichung, die wohl heißt:

Umweltgewerkschaft gleich MLPD,

MLPD gleich Stalin.

muss jetzt auch die Umweltgewerkschaft zu Stalin eine Meinung haben ?
Ich meine nicht. Die MLPD hat aber eine dazu, für die sie angegriffen wird. Zu Recht? Dazu unten einige Links zu Artikeln aus der Roten Fahne zu genau diesem Thema.

Die Kreisvorsitzende des BUND Duisburg Kerstin Ciesla präzisierte das neulich und gab öffentlich in einen Facebookforum eine Prozentzahl an: Die Umweltgewerkschaft ist ihr zufolge nur zu 99% deckungsgleich mit der MLPD. Eine Zahl, die nicht nur fragwürdig, sondern ausserdem auch völlig irrelevant ist. Gut: vielleicht steht sie symbolisch auch nur für „viel“. So würde ich mich an Kerstins Stelle herausreden. Das ist aber auch völlig irrelevant.

Fragwürdig, weil selbst die Umweltgewerkschaft diese Zahl nicht kennt, und irrelevant, weil sowohl Umweltgewerkschaft als auch BUND überparteiliche Umweltorganisationen sind. In beiden Organisationen werden Parteimitgliedschaften von Mitgliedern nicht erfasst, und in keiner der beiden Umweltorganisationen gibt es Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen MLPD oder GRÜNE. Aber beim BUND, wie sicher auch in anderen Bereichen der Gesellschaft, gibt es offenbar bei einzelnen Mitgliedern antikommunistische Vorbehalte, die die Bündnisarbeit behindern. Die Holodomor-Mythos trägt dazu bei, und ist deshalb hier erwähnenswert.

Zurück zum Holodomor-Mythos:

Mit diesem Kram wollte ich mich eigentlich nie beschäftigen, aber inzwischen weiß ich, dass nicht nur die Holodomor-Geschichte umstritten ist. Sie taucht aber immer wieder auf.

Auch beim Grünen-Politiker Kai Gehring kommt das vor, in einer Ausführung auf Abgeordneten-Watch, als Begründung, warum die MLPD den GRÜNEN „ein Dorn im Auge“ sei, wie die Ruhrbarone behaupten. Kai Gehring bestätigte dies und lieferte gleich eine Begründung dafür nach:

https://www.abgeordnetenwatch.de/profile/kai-gehring/fragen-antworten/wie-stehen-sie-zu-der-behauptung-der-ruhrbarone-dass-den-gruenen-die-mlpd-ein-dorn-im-auge-sei

Zitat aus Kai Gehrings Erklärung, warum die MLPD den GRÜNEN „ein Dorn im Auge“ sei:

Obwohl die Verbrechen in kommunistischen Diktaturen allgemein bekannt sind, bekennt sich die MLPD offen zu Mao und Stalin, die Millionen von Todesopfern zu verantworten haben. Insofern ist es nur richtig, dass die MLPD kein Teil des breiten ESSQ-Bündnisses mehr ist.

Kai Gehring

Die Online-Ausgabe der Roten Fahne, greift dieses Thema daher in letzter Zeit erneut auf:

Das Gräuelmärchen vom „Holodomor“ — Website (rf-news.de)

Täglich grüßt das Murmeltier – oder: Wie die psychologische Kriegsführung arbeitet — Website (rf-news.de)

Psychologische Kriegsvorbereitung trifft Antikommunismus — Website (rf-news.de)

Dazu auch aus der Jungen Welt vom 23.06.2017 ein Artikel von Thanasis Spanidis.
zitiert aus: https://www.jungewelt.de/artikel/312978.der-erfundene-v%C3%B6lkermord.html

Geschichtspolitik Der erfundene Völkermord
Die Behauptung, Anfang der 1930er Jahre habe die Sowjetunion unter Stalin in der Ukraine eine Hungersnot initiiert, um politischen Widerstand zu brechen, hält sich bis heute – die Fakten zeigen indes ein anderes Bild »Bitter Harvest« oder auf deutsch: »Holodomor – bittere Ernte« ist der Titel eines aufwendigen »Geschichtsdramas«, das Ende Februar dieses Jahres in den USA in die Kinos kam. Der Film stellt, selbst gemessen an Hollywood-Standards, einen ganz besonders dreisten Fall von Geschichtsfälschung dar.

… zeichnet das Bild einer Ukraine, in der vor der Oktoberrevolution idyllische Zustände herrschten, bis bösartige Bolschewisten mit russischem Akzent mordend und brandschatzend über das Land herfielen. Erbost darüber, dass die Ukrainer sich das nicht gefallen ließen, befahl Stalin, sie alle zu Tode zu hungern. Aber dann ein Lichtblick: Nachdem Millionen gestorben sind, stehen die Massen auf und machen sich ans Kommunistentöten, um ihre »Freiheit« zurückzugewinnen. Doch so falsch das Geschichtsbild des Films, randständig ist es keineswegs. Zwar sind ukrainische Faschisten und Nationalisten seit jeher die eifrigsten Vertreter der Holodomor-Lüge. Sie sind aber bei weitem nicht die einzigen. Auch zahlreiche Regierungen schließen sich der Geschichtsfälschung an. Bis dato erkennen 24 Regierungen den »Holodomor« als Völkermord an, darunter Polen, Australien, Kanada, die USA, Spanien, Tschechien und einige Länder Lateinamerikas. Auch das EU-Parlament bezeichnete 2008 den »Holodomor« als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Probeabo

https://www.jungewelt.de/abo/probeabo.php

Link zum Artikel vom 23.06.2017 von Thanasis Spanidis. Geschichtspolitik Der erfundene Völkermord

https://www.jungewelt.de/artikel/312978.der-erfundene-v%C3%B6lkermord.html

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