Wind, Flaute oder Sturm

Herr Laurins seltsame Erkenntnisse über die Welt …

denn Herr Laurin sieht Widersprüche, die überhaupt gar keine sind.

In seinem Blog „Ruhrbarone“ schreibt Herr Laurin:

Zitat aus: https://www.ruhrbarone.de/nato-russland-und-ukraine-wo-steht-der-bochumer-spd-chef/206033

Zum Angriff Russlands auf die Ukraine findet der Bochumer SPD-Chef Serdar Yüksel starke Worte: „Die Nachrichten, die uns aus der Ukraine erreichen, sind erschreckend. Wir verurteilen den völkerrechtswidrigen, russischen Angriff auf das Nachbarland aufs Schärfste. Die russische Aggression sei ein Angriff auf den Frieden in ganz Europa. „Wir brauchen die Geschlossenheit aller, die sich an Recht und Gesetz halten, die Werte von Menschenwürde, Demokratie, Respekt und Verlässlichkeit achten und alles tun, gemeinsam in der EU und der NATO diese zu verteidigen.“

und setzt dann fort:

Yüksels Name findet sich allerdings auch unter dem Aufruf zum Ostermarsch 2022, den er wie Linkspartei-Politiker Sevim Dagdelen und Jules El-Khatib unterschrieben hat.

Mit „Aufruf zum Ostermarsch 2022“ ist offenbar dieser Aufruf gemeint:

https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2022/aufrufe/rhein-ruhr

und es stimmt nach wie vor, was dort formuliert worden ist:

…Hier in Europa sorgen der Ukraine-Konflikt und die Pläne zur Aufnahme der Ukraine in die NATO für Kriegsgefahr. Während die NATO Russland Aggressivität vorwirft, bricht sie das Versprechen, sich nicht nach Osteuropa auszudehnen. Die NATO rüstet die Ukraine auf, führt Großmanöver durch und verlagert Truppen bis an die russische Grenze. Russland konzentriert daraufhin Militär an seiner Westgrenze. Eine Eskalation, die schnell außer Kontrolle geraten kann!

aus dem Aufruf zum Ostermarsch NRW 2022, der auch von Serdar Yüksel unterschrieben wurde.

Wenn Herr Laurin diesen Aufruf einmal lesen würde, dann könnte er erkennen, dass beides doch überhaupt gar kein Widerspruch darstellt! Herr Laurin schreibt von Russland, Ukraine, den „Westen“, die EU und die NATO, nicht aber über die Menschen in diesen Ländern und Organisationen. Um Herrn Laurins Weltbild komplett in Frage zu stellen: Auch in Russland gibt es Menschen, die gegen den Überfall auf die Ukraine und die Menschen dort protestieren. Denn: Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten !

Zum Angriff russischen Militärs auf ukrainische Menschen, und auch zu Menschen in Russland, die gegen diesen Krieg protestieren, schreibt das Bochumer Friedensplenum:

Das Bochumer Friedensplenum verurteilt den verbrecherischen Angriff Russlands auf die Ukraine. Es gibt nichts, was den Krieg Russlands gegen sein Nachbarland rechtfertigen könnte. Leid, Not und Tod, in die auch dieser Krieg unschuldige Menschen stürzt, empören uns zutiefst. Unsere Partnerstadt Donezk braucht Frieden, nicht Panzer, Granaten und Bomben. Wie immer es weiter geht: der Krieg darf Hilfsbereitschaft und die freundschaftliche Verbundenheit mit den Menschen dort nicht zerstören. Den Flüchtenden sind unsere Türen offen. … Die meisten von uns, nicht nur die Friedensbewegung, werden diesen Satz unterschreiben. Dennoch gelingt es uns nicht, die Oberen davon zu überzeugen, dass militärische Hochrüstung den Frieden nicht sichert, sondern immer wieder zum Krieg führt. Die russische Aggression geschieht in wechselseitig waffenstarrender Konfrontation mit der höchstgerüsteten NATO. Die Vernichtungskraft der Waffen dieser Welt reicht aus, die Erde mehrfach zu zerstören. In der Befehlsgewalt von Verbrechern, die sie zur Durchsetzung ihrer Interessen skrupellos einsetzen, bedrohen sie die Menschheit weltweit. Gegen alle, die jetzt nach Waffen und neuer Hochrüstung rufen: So lässt sich Frieden nicht erzwingen.

Wer jetzt die Welt in Gut und Böse scheidet, schaue dabei in den Spiegel. Die NATO-Staaten können die Zerstörung von Völkerrecht und Friedensordnung durch den russischen Krieg gegen die Ukraine nur dann glaubhaft verurteilen, wenn sie mit Blick auf ihre Geschichte die eigenen Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte mit gleicher entschiedener Selbstkritik beklagen. Wer wie die NATO mehr als das 15-fache für das Militär ausgibt wie Russland und strategisch auf den nuklearen Erstschlag setzt, ist keine Friedensmacht. Entspannungspolitik, Friedensverträge mit den Nachbarländern, die Anerkennung der Grenzen nach der Überwindung der Blockkonfrontation des Kalten Krieges, die Entwicklung zur KSZE und ein Bündel von Abrüstungsverträgen wollten den Frieden in Europa sicherer machen. Das ist vorerst gescheitert. In feindlicher Konfrontation wieder Vertrauen aufzubauen und zurückzufinden zu Deeskalation, friedlichem Interessenausgleich und Abrüstung statt Aufrüstung wird schwierig sein. Wir setzen dabei auch auf die friedliebenden Menschen in Russland, sie wollen Frieden wie wir. Wir waren schon auf einem besseren Weg. Streiten wir nun gemeinsam: gegen diesen Krieg und für ein Europa der Abrüstung, der Entspannung und der Verständigung.

aus: „[Friedensplenum] Zum Angriff Russlands auf die Ukraine“,
Rundmail vom 24.2.2022, 18:58 Uhr

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