Wind, Flaute oder Sturm

Essens Städtepartnerschaften, und die anderer Städte

[Update23.5.2021] „Städtepartnerschaften mit Orten in Palästina“ hieß vorher die Überschrift. Das Thema wird jetzt erweitert, und die Städtepartnerschaft mit Tel Aviv aus dem Kontext von Philo- oder Anti-Semitismus heraus geholt. Tel Aviv ist einfach neben einigen anderen Städten eine interessante Partnerstadt von Essen mit Problemen, die andere Städte auch haben, mit Kapitalismus, Pandemie, Umweltproblemen und Einwanderung: Hier ein Beitrag aus der Ludwig Maximilians Universität von Julia Baumann: Israel –Kultur(en) der Migration: Sudanesische Flüchtlinge in und um Tel Aviv. Die Stadt beschult Kinder von Flüchtlingen, die illegal nach Israel eingewandert sind … ganz im Gegensatz etwa zur Stadtverwaltung von Jerusalem wurde berichtet. Und am 14. Juni sind es dreißig Jahre Städtepartnerschaft mit Essen gewesen. Aus Anlass dieses runden Jubiläums wird es auch eine ganz normale Geste sein, eine Stadtfahne zu hissen.

In der Öffentlichkeit, z.B. in der WAZ, wurde das unsinnigerweise mit dem Thema Antisemitismus verknüpft, und das Fahne-Hissen als Zeichen gegen Antisemitismus empfohlen. Das ist natürlich Quatsch. Tatsächlich könnte Tel Aviv aber auch eine Stadt sein, von der Essen im Bereich der Flüchtlingspolitik einiges zu lernen hätte.

Essens Partnerstädte: ( Übersicht auf www.essen.de )

1949 Sunderland (England),1960 Tampere (Finnland),1974 Grenoble (Frankreich),1991 Nischni Nowgorod (Russland),1991 Tel Aviv-Yafo (Israel),2008 Zabrze (Polen),2008 Changzhou (China).

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Tel Aviv am 14. Juni 2021 bietet die Alte Synagoge in Essen digitale Veranstaltungen an. (Quelle: WAZ / Essen, Samstag, 15.05.2021)

[Update 22.5.2021] Kompliziert: Du kannst auch aus den falschen Gründen für die richtigen Dinge sein

Nach Veröffentlichung eines Leserbriefes „Nicht einseitig“

Ein richtiges Zeichen wäre, nicht nur einseitig eine Stadtfahne von Tel Aviv zu hissen, sondern gleichzeitig auch Zeichen der Solidarität mit Opfern auf palästinensischer Seite zu setzen

kam der Einwand:

Das Begehen eines dreißigjährigen Städtepartnerschaftjubiläums hat wirklich nichts mit einer einseitigen Parteinahme zu tun.

Das stimmt. Es bezog sich aber auch nicht auf das Jubiläum, sondern war eine Erwiderung auf einen anderen Leserbrief: „Richtiges Zeichen“, der das Hissen der Stadtfahne von Tel Aviv ausdrücklich als „richtiges Zeichen“ gegen Antisemitismus empfahl. Chaim Schneider sprach beim Donnerstagsgespräch der Alten Synagoge am 20.5 über die Selbstverständlichkeit, dass deutsche Juden keine Israelis, und Israelis nicht automatisch Juden seien, und was für eine dumme Idee es ist, Kundgebungen zu Ereignissen in Israel ausgerechnet vor Synagogen zu machen: Das ist purer Antisemitismus. Genauso und aus gleichem Grunde ist aber auch das Hissen von israelischen Fahnen mit der Absicht damit gegen Antisemitismus  aufzutreten, abzulehnen, weil darin genau die gleiche Verwechslung zum Ausdruck kommt.

Aber ja. Das dreißigjährige Jubiläum der Partnerschaft mit einer Stadt, ist natürlich ein guter Grund für das Hissen einer Fahne. Falsch ist es aber, es als Mittel im Kampf gegen Antisemitismus zu sehen.

Die Idee sich auch mit einer Stadt in Palästina zu verbinden, ist aber immer noch gut. Sie sollte weiter verfolgt werden. Nicht um damit irgendwelche Zeichen zu setzen, sondern weil es an sich eine gute Sache ist.


Leserbrief zum Leserbrief „Richtiges Zeichen“, WAZ/NRZ Essen, 19.5.2021

Ein richtiges Zeichen wäre, nicht nur einseitig eine Stadtfahne von Tel Aviv zu hissen, sondern gleichzeitig auch Zeichen der Solidarität mit Opfern auf palästinensischer Seite zu setzen. Es ist an der Zeit auch mit Orten in Palästina Kontakt aufzunehmen, wie die Städte Bergisch Gladbach, Köln oder Jena, die auch Kontakte zu palästinensischen Partnerstädten pflegen. Das wäre ein richtiges Zeichen, das dem Frieden und der Verständigung dient.

Unser Vorschlag an die Stadt Essen ist, nach dem Vorbild von Bergisch Gladbach und einigen anderen Städten (Köln, Jena) Kontakt zu Oten in Palästina aufzunehmen. Wir wissen nicht, ob es gerade jetzt, in dieser Situation gut möglich ist. Aber wenigstens das Bemühen darum, wäre ein gutes Zeichen. Dieses einseitige Fahnen-Hissen polarisiert, und schaukelt nur auf. Keinesfalls darf Trauer und Wut über verlorene Angehörige in diesem Krieg, als Antisemitismus diffamiert werden. Vielleicht findet dieser Vorschlag auch Unterstützung von der Jüdischen Gemeinde, und anderen Menschen, die ein Zeichen gegen Antisemitismus und Krieg setzen wollen. / LinksDiagonal-Reaktion

Beispiel Bergisch-Gladbach:

Partnerschaft der Stadt Bergisch-Gladbach mit den Städten

Beit Jala (Palästina) und
Ganey Tikva (Israel)

( https://www.bergischgladbach.de/ganey-tikva.aspx https://www.bergischgladbach.de/beit-jala.aspx )

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