Erinnerung an den 9. November vor 79 Jahren: Reichspogromnacht am 9. November 1938

[Update 29.10.2017] Ein Ökumenischer Gedenkgottesdienst wurde mit aufgenommen.[Update 28.10.2017] Ein bedauerlicher Fehler wurde korrigiert: Wir hatten zunächst bei ‚Essen stellt sich quer‘ den Aufruf vom Vorjahr veröffentlicht. Auch weitere Gedenkveranstaltungen, von denen wir erfahren haben, haben wir aufgeführt.


Überblick: Donnerstag, 9. November 2017


Ökumenischer Gedenkgottesdienst zur Erinnerung
an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938

Donnerstag | 9. November 2017 | 17.00 Uhr
Gemeindezentrum der Freien evangelischen Gemeinde Essen-Mitte
Hofterbergstraße 32 | 45127 Essen
Predigt Dr. Martin Bock Leiter der Melanchthon-Akademie in Köln
Musik Nadja Frey | Flöte Kreiskantor Thomas Rudolph | Orgel und Klavier
„Meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit“ (Psalm 35,28)
http://ack-essen.ekir.de/progromnacht.html


GEGEN DAS VERGESSEN


Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938

Donnerstag, den 9. November, 17.00 Uhr
Gedenken vor der Alten Synagoge und gemeinsamer Marsch zum Hirschlandplatz
zur Abschlusskundgebung
Nie wieder Faschismus!
Nie wieder Krieg!

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert und demoliert. Es war ein vom Naziregime organisierter staatlicher Terror. In dieser Nacht und den darauf folgenden Tagen wurden jüdische Bürger ermordet, Tausende verhaftet, in Konzentrationslagern verschleppt.
Der 9. November war Auftakt für die millionenfache planmäßig organisierte industrielle Vernichtung von Juden, Sinti und Roma in den Gaskammern von Auschwitz und anderen Vernichtungslagern.

Die Novemberpogrome waren wesentlicher Teil der Kriegsvorbereitung Hitlerdeutschlands. Es war die mörderische Rassenideologie, mit der die Faschisten bis 1945 Unterjochung, Versklavung und Vernichtung so genannter „minderwertiger Rassen“ begründeten. Niemals darf das barbarischste Menschheitsverbrechen des letzten Jahrhunderts vergessen werden. Am diesjährigen Tag der Erinnerung sind wir besonders alarmiert.

In den Bundestag ziehen jetzt AfD-Abgeordnete ein, die sich stark dafür machen, einen angeblichen „Kult der Juden“ zu beenden, weil er ein „wirksames Instrument zur Kriminalisierung
der Deutschen und ihrer Geschichte“ sei (Wilhelm von Gottberg). Abgeordnete wie Björn Höcke sprechen davon, dass „Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat“, sondern „dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat“ und bezeichnet das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“. In der Wahlnacht erklärte der Fraktionsvorsitzende der AfD Gauland:„ … wir werden unser Land zurückholen“.

Setzen wir am 9. November in Essen ein klares Zeichen gegen solche Kräfte, die sich in der Tradition des „tausendjährigen Reiches“ sehen. Wir rufen auf zum Widerstand gegen alle, die
Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus verbreiten, die gegen Juden, Muslime, Migranten, Flüchtlinge, Andersdenkende und Andersaussehende hetzen. Wir erinnern daran, dass 1933 und in den folgenden Jahren hunderttausenden Verfolgten aus Deutschland in vielen Ländern der Welt Asyl gewährt wurde und protestieren gegen heutige Abschottung und Abschiebung.
GEGEN DAS VERGESSEN


Reichspogromnacht 9. November 1938 / Stolpersteine gegen das Vergessen

Vor 79 Jahren, am 9. November 1938, wurden in ganz Deutschland Synagogen niedergebrannt, jüdische Geschäfte demoliert und geplündert, Wohnungen jüdischer Bürgerinnen und Bürger zertrümmert, Menschen zusammengeschlagen, verhaftet, in Konzentrationslagern gebracht, jüdische Menschen ermordet. Es war ein weiterer wesentlicher Schritt zur so genannten „Endlösung der Judenfrage“ und endete in den Gaskammern von Auschwitz und anderen Vernichtungslagern, in einem unvorstellbaren industriell organisierten Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden und 500 000 Sinti und Roma.

Die Stolpersteine erinnern an vielen Orten Deutschlands und Europa an das Schicksal der von den Nazis diskriminierten, verfolgten und ermordeten Menschen und geben ihnen wieder einen Namen. Auch in Essen sind an vielen Orten Stolpersteine verlegt worden, in denen die Namen der Diskriminierten, Deportierten und Ermordeten eingraviert sind. Stolpersteine wurden auch für Essener Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer verlegt. Sie waren die ersten Opfer des faschistischen Regimes, nachdem sie schon vor 1933 vor der faschistischen Gefahr gewarnt und illegal gegen sie gekämpft hatten.

Wir wenden uns an Essener Bürgerinnen und Bürger, an Schülerinnen und Schüler, im Gedenken an die Pogromnacht am Donnerstag, dem 9. November 2017, die in der Nähe Ihrer Wohnung, Ihrer Schule oder Ihrer Arbeitsstätte verlegten Stolpersteine zu putzen, sie mit Blumen und Kerzen zu schmücken. Auch an den Mahn- und Gedenktafeln an Orten des Verbrechens und der Opfer des Faschismus in Essen können Sie Blumen niederlegen, Kerzen anzünden. Als Zeichen der Erinnerung an die Brandnacht, an die Pogrome, an die Opfer des Holocaust und des Widerstands.

Setzen wir am 9. November 2017 ein Zeichen gegen jene Kräfte, die die Erinnerung an das barbarischste Menschheitsverbrechen des letzten Jahrhunderts auslöschen wollen, die heute erneut mit rassistischer, antisemitischer und ausländerfeindliche Hetze antreten.

Es rufen auf: Essen stellt sich quer; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Essen; Antirassismus-Telefon; SJD-Die Falken Essen; SPD Essen; Essener Friedensforum; Sago-Künstlerduo; MLPD Essen; Pro Asyl/Flüchtlingsrat Essen; Die Linke Essen; GEW Essen; Chor gegen Rechts; DKP Essen; Bürgerinitiative „Stolpersteine Essen-Süd“; Alte Synagoge Essen – Haus Jüdischer Kultur; Juso Essen; Pax Christi Diözesanverband Essen;

Die Liste der Stolpersteine nach Stadtteilen sortiert finden Sie unter „Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e.V.“

Stolpersteine nach Stadtteilen sortiert

Empfehlung: Putzen mit Essigwasser und einem schon benutzten Schwamm oder mit handelsüblichem
Putzmittel für Metalle und einem weichen Tuch, auf keinen Fall Drahtbürste verwenden.
Teilen Sie mit, welche Stolpersteine Sie übernehmen wollen an:
Antirassismus-Telefon 0201/ 23 20 60 E-Mail: artessen(at)gmx.de

Begrüßen würden wir es, wenn Sie mit Fotos und einige Zeilen Ihre Aktion dokumentieren und an die E-Mail-Adresse artessen(at)gmx.de senden würden.


Essen: Krayer Markt | Der Runde Tisch „Kray ist bunt“ lädt ein:

GEDENKEN an die Opfer der Pogromnacht vom 09.11.1938

am 9. November 2017 um 18 Uhr

Ort: Krayer Markt am Engel der Kulturen

http://www.lokalkompass.de/essen-steele/politik/gedenken-an-die-opfer-der-pogromnacht-vom-09111938-in-kray-d799749.html


Gedenkfeier zur Reichspogromnacht, am 09.11.2017 um 19:00 Uhr

Am Donnerstag, den 9. November laden Stadt Essen und Jüdische Kultus-Gemeinde Essen zur Gedenkfeier für die zerstörten Synagogen Deutschlands ein. Dmitrij Belkin aus Berlin wird über Haltungen der aus Russland stammenden neuen Mitglieder der jüdischen Gemeinden zur deutschen Geschichte und der Schoah auf dem Gebiet der UdSSR referieren. Frau Plewa-Brodam liest aus den Erinnerungen der Rabbinertochter an die Vorgänge in Essen 1938. Das Ganze wird von Davit Melkonian aus Köln musikalisch umrahmt. Zum Schluss wird das Gebet für die jüdischen Märtyrer auf Hebräisch und Deutsch rezitiert.

https://www.essen.de/veranstaltungen_4/veranstaltungendetail_1112705.de.jsp?Begin=09.11.2017

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