Erste Protestaktionen gegen NPD-Landeszentrale in Essen-Kray am 22. September 2012 / von Wolfgang Freye


Beunruhigt und empört hat viele Essener die Nachricht, dass die NPD ihre Landeszentrale nach Essen-Kray verlegt hat. Ihr früheres Domizil in Bochum-Wattenscheid musste die rechtsradikale Partei wegen Zahlungsunfähigkeit räumen. In der Marienstr. 66 a in Essen-Kray konnte sie nun mit einem langjährigen Mietvertrag „unterschlupfen“, nachdem das Bürohaus im Hinterhof von einem NPD-nahen Verein gekauft wurde.


„Kray ist bunt“, unter dieser Losung führte eine mit 120 Teilnehmer/innen gut besuchte Bürgerversammlung in der Ev. Gemeinde Essen-Kray am 19.9. verschiedenste Kräfte zusammen, die in der nächsten Zeit den Protest gegen die NPD-Landeszentrale organisieren wollen. An der Versammlung nahmen auch viele Anwohner/innen des Hinterhofes in der Marienstrasse teil, die inzwischen eine eigene Anwohne/innen-Initiative gegründet haben.

Eine erste Aktion gegen die NPD-Landeszentrale war die von der Antifa Z für Samstag, 22.9., angemeldete Demonstration von Steele nach Kray. Die Polizei ließ sie über eine Stunde nicht losgehen wegen eines kleinlichen Streits um Vermummung. Die Polizei-Einsatzleitung bestand darauf, dass Demo-Teilnehmer/innen in den vorderen Reihen ihre Sonnenbrillen ablegten und Kapuzen abnahmen. Los ging es erst, nachdem sich etliche andere Teilnehmer/innen einmischten, darunter Ratsmitglieder von SPD, Grünen und DIE LINKE.

Doch auf der Krayer Strasse stoppte die Polizeieinsatzleitung die Demo erneut. Obwohl auch Journalisten der WAZ und anderer Medien keine Probleme und keine feindselige oder gewaltgeladene Atmosphäre feststellen konnten, machte die Polizei erneut Sonnenbrillen und zu hoch gehaltene Transparente zum Problem. Der Streit darum führte fast zur Auflösung der Demonstration, einige Teilnehmer gingen bereits. In dieser Situation meldete Wolfgang Freye, Essener Ratsmitglied für DIE LINKE, eine neue Demonstration an. Nach heftiger Diskussion mit der Polizei – die Polizei bestand z.B. zunächst auf einem ausgefüllten Anmeldeformular, das sie dann nicht finden konnte, und wollte den „Schwarzen Block“ von der neuen Demonstration fernhalten – ging es mit allen, die wollten mit antifaschistischen Parolen bunt weiter Richtung Marienstrasse.


Die Demonstration stieß auf viel Interesse. Immer wieder gab es offene Fenster, aus denen Anwohner/innen guckten und sich informierten. An der mit bunten Pace-Fahnen, Luftballons und Transparenten geschmückten Marienstrasse warteten viele Anwohnerinnen und Anwohner. Es wäre ein ganz schlechtes Omen gewesen, wenn die Demonstration hier nicht angekommen wäre. Vertreter von DIDF, SPD, Grünen, DIE LINKE, Linksjugend und der AStA-Vorsitzende sprachen auf der improvisierten Kundgebung, so dass der Tag ein gelungener Auftakt endete. Die Forderung, gerade angesichts der nachweisbaren Verbindungen der NPD zur terroristischen NSU und zu militanten Nazi-Kameradschaften einen neuen Verbotsantrag zu stellen, fand viel Unterstützung. Insgesamt machten die Redner/innen deutlich, dass es darum gehen muss, in Kray ein Klima zu schaffen, in dem die NPD und andere Nazis keinen Raum finden.

Letzteres war auch eine wichtige Aussage des Ev. Gemeindefestes am nächsten Tag, am 23.9. 2012. Die Ev. Gemeinde wird bald zu einer nächsten Bürgerversammlung einladen, um weitere Aktionen zu planen.


Wolfgang Freye

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