Demo am 28.5. gegen die Schließung des JZ Essen – Bündnis erneuert Vorwürfe gegen die Stadt

Freitag, 27. Mai 2011 11:27

Das Essener „Rettet das JZE“-Bündnis wird die anstehende Schließung des städtischen Jugendzentrums an der Papestraße nicht mehr verhindern können. Doch den von der Stadt erzwungenen Umzug in die Weststadthalle will es nicht wortlos hinnehmen und veranstaltet morgen am 28.5. um 18 Uhr eine „Feierabend“-Demo, die vom Willy-Brandt-Platz bis zum JZE führen wird.

Im Interview mit 2010LAB erneuert Pressesprecherin Lea Kühn vorab die Vorwürfe des Bündnisses gegenüber den politischen Entscheidungsträgern.

Der Flyer zur „Feierabend-Demo“ am 28.5. wirbt weiterhin mit der Forderung „Unser JZE muss bleiben!“ Verschließt ihr da nicht die Augen vor den Realitäten?

Lea Kühn: Im Gegenteil! Die Realität ist, dass diese Stadt eine jugendfeindliche Politik macht. Uns wird eher eine Realität vorgetäuscht, die so, wie in der Politik argumentiert wird, nicht existiert. Beispielsweise wird es so dargestellt, als ob es kein Geld gäbe. Aber vor allem an Prestigeprojekten wie RUHR.2010 sehen wir, dass für Dinge, die den Wirtschaftsstandort fördern und Unternehmen anlocken sollen, sehr wohl Geld locker gemacht werden kann. Eben weil wir vom Bündnis die Realität kennen, können wir einschätzen, wie es um die weitere Kinder- und Jugendarbeit bestellt ist.
Einher mit der Eröffnung des JZE ging die Schließung mehrerer kleiner, dezentraler Jugendeinrichtungen der Stadt. Das Argument dafür war damals, dass es ja jetzt ein zentrales Jugendzentrum für alle gäbe. Wie sehr der Stadt dies am Herzen lag, merken wir jetzt.

Welche Inhalte des Standorts Papestraße drohen durch den Umzug kurz- oder mittelfristig verloren zu gehen?

Fast alle Angebote, die das JZE so attraktiv und vielseitig gemacht haben, werden in der Weststadthalle nicht mehr umgesetzt werden können. So gibt es beispielsweise einen Kunst- und Werkraum, eine Turnhalle und eine große Lernküche. Solche Örtlichkeiten fallen nun komplett weg. Auch kleinere, unbekanntere Angebote wie z.B. das Kinderkino im hauseigenen Kinosaal wird nicht mehr umgesetzt werden können.
Der offene Kinder- und Jugendbereich, eines der Herzstücke des JZE, wird unter dem Umzug auch stark leiden müssen. Es ist fraglich, ob die Hausaufgabenbetreuung, so wie sie jetzt ist, noch weitergeführt werden kann. Auch die Versorgung von Kindern mit einem Mittagessen für 15 Cent wird wegfallen.
Diese „Sparpolitik“ lässt sich an vielen weiteren Stellen begutachten: z.B. die Jungen- und Mädchenförderung, die im JZE betrieben wird. Auch sie ist von starker Kürzung, wenn nicht sogar vom Wegfall, bedroht. Das Ausbleiben des großen Angebotes an Seminarräumen sowie des großen Saals stellen ca. 40 Gruppen vor die Frage, wie sie ihre Arbeit weiter leisten können.

Gibt es Fälle, in denen Nutzer aus der derzeitigen Nachbarschaft aufgrund der Entfernung zur Weststadthalle das Angebot nicht mehr werden wahrnehmen können?

Lea Kühn: Zum einen ist die Umgebung, in der sich das „neue Jugendzentrum“ befinden wird, eine ganz andere. Kinder, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, müssen einen nur sehr kurzen Weg auf sich nehmen, um von der Haltestelle zum JZE zu gelangen. Nicht so in der Weststadthalle. Sie liegt sehr versteckt in einem Gewerbegebiet und wer sie nicht kennt, findet sie nicht unbedingt auf direktem Wege. Es besteht nicht die Möglichkeit, sich auf einer hauseigenen Grünanlage auszutoben oder zu entspannen. Die Kinder befinden sich in einem ungeschützten Raum und deshalb ist es fraglich, ob es Eltern geben wird, die ihre Kinder alleine in die Weststadthalle reisen lassen.

Worauf stützt ihr eure Befürchtungen, dass den Jugendlichen am neuen Standort Mehrkosten drohen?


Direkte Mehrkosten könnten zum Beispiel dadurch verursacht werden, dass Eintrittspreise für Veranstaltungen höher werden. Und je nachdem, wie viel der noch anstehende Umbau kosten wird, ist die Vermutung nicht weit hergeholt, dass durch Kommerzialisierung und Werbung versucht wird, die Kosten zu decken. Dies müssen natürlich dann auch die schmalen Portemonnaies der Kinder und Jugendlichen mittragen. Selbst wenn es heißt, es kämen keine Mehrkosten auf die Jugend zu, warum sollte man dem Glauben schenken? Weil die Stadt so ein reges Interesse daran hat? Das ja nun offensichtlich nicht.
Eine große Rolle werden aber auch indirekte Mehrkosten spielen. So muss für ein Kind beispielsweise vielleicht ein Ticket angeschafft werden, damit es den neuen Standort überhaupt erreicht. Oder wenn die kostenlose Hausaufgabenbetreuung wegfällt und ein Kind wieder schlechter in der Schule wird, müssen Eltern nun einmal einen Nachhilfelehrer suchen, welcher auch wieder Geld kostet. Und nicht zuletzt macht es einen gewaltigen Unterschied, ein Mittagessen für 15 Cent zu bekommen – oder eben nicht.

Für welches Datum wird eine Nutzung der Weststadthalle in Aussicht gestellt?

Dazu gibt es von der Stadt noch keine klare Ansage. Da seit Jahren sowohl Schließung des JZE sowie Beginn der Bauarbeiten an der Weststadthalle immer weiter nach hinten verschoben wurden und noch werden, gibt es noch keinen offiziellen Termin. Zwar ist es geplant, dass der Betrieb schon im August wieder anlaufen soll. Aber wahrscheinlich wird es sich dabei um viele formelle Dinge handeln, sich in einer neuen Arbeitsumgebung mit dem Ablauf zu arrangieren etc. Bis jetzt ist die offizielle Eröffnung für Oktober angesetzt, was dann dort stattfinden soll, weiß niemand. Klar – das meiste fällt ja auch weg.


Fotos: „Rettet das JZE“-Bündnis (Teaser, Text1, Text3),
Michael Blatt (Text2)


Bündnis „Rettet das Jugendzentrum Papestraße“
c/o BezirksschülerInnenvertretung Essen,
im Bürgerzentrum Rüttenscheid,
Girardetstr. 21, 45131 Essen
http://www.jze-bleibt.de
E-Mail: info (at) bsv-essen.de

Demonstration gegen die Schließung des Jugendzentrums Papestraße

Das Bündnis „Rettet das Jugendzentrum Papestraße“ ruft für Samstag, den 28. Mai 2011 zu einer Demonstration auf. Die Forderungen des Bündnisses sind:

Das JZE muss erhalten bleiben!

Alle nötigen Baumaßnahmen müssen durchgeführt werden!
Die Stadt Essen muss eine ausreichende finanzielle Förderung für Jugend- und Sozialarbeit sicherstellen.

Das städtische Gelände, auf dem sich das JZE befindet, soll städtisches Eigentum bleiben.

In den letzten Monaten haben wir bei unseren Aktionen oft gehört, die Schließung sei ja nun beschlossen, was gibt es da noch zu protestieren. Wir meinen, dieser Beschluss darf nicht einfach hingenommen werden, vielmehr müssen die Konsequenzen einer solchen Ratspolitik in der Öffentlichkeit diskutiert werden.
Immer mehr Freizeitmöglichkeiten kosten Geld, das schließt viele Familien aus sozialen Gründen davon aus. Kinder und Jugendliche finden kaum noch verlässliche Ansprechpartner, die sich um ihre Sorgen und Belange kümmern. Die soziale und kulturelle Einrichtung Papestraße bietet ein warmes Mittagessen für kleines Geld, Kultur, die sich alle leisten können, Bildungsarbeit für alle Interessierten. Ein geeigneter Raum für alle Generationen und Nationalitäten. Die sozialen Auswirkungen der Schließung sind noch nicht absehbar.
Viele Gruppen haben noch keine neuen Räume gefunden und wissen nicht, wohin.

Der Umzug in die Weststadthalle ist keine Lösung. Hier gibt es nicht genügend und nicht den richtigen Raum für alle Gruppen, die bisher im JZE aktiv waren.

Das wollen wir so nicht hinnehmen! Deshalb protestieren wir gegen die Schließung des JZE.

Im Anschluss an die Demonstration laden wir ein zu einer Party im Jugendzentrum.

Wann: Samstag, 28.05.2011 um 18:00 Uhr
Start: Willy-Brandt-Platz, Essen
Abschluss im JZE, Papestraße

Bündnis „Rettet das JZE“ im Mai 2011
Das Bündnis „Rettet das JZE“ besteht neben der BezirksschülerInnenvertretung aus NutzerInnen des JZE,
verschiedenen Jugendorganisationen sowie Parteien.

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