PM zum 5. Jahrestag der Explosion in Leverkusen


Presse-Erklärung des Bündnis
„Gute Luft für Leverkusen
– Schluss mit der Giftmüllverbrennung!“
Jahrestag der Explosion in Leverkusen:
„Wir werden die sieben verbrannten Kollegen nicht vergessen!“
Am 27. Juli 2026 hat eine aufrüttelnde Gedenk- und Protestveranstaltung vor
dem Leverkusener Rathaus mit ca. 100 Teilnehmerinnen stattgefunden.
8. August 2026
Eine offizielle Kundgebung von Stadt und Currenta hat es nicht gegeben.
Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte zuvor mitgeteilt, dass sie die
Ermittlungen gegen Currenta, den Betreiber der explodierten Giftmüll-
verbrennungsanlage, eingestellt hat. Currenta-Chef Tim Hartmann selbst
erklärte sich für unschuldig. Das NRW-Umweltministerium
unter Leitung von Oliver Krischer ( Bündnis 90 / Die GRÜNEN )
teilte pünktlich zum 5. Jahrestag der Explosion mit:
„Durch die Arbeit des Begleitkreises konnte verloren gegangenes
Vertrauen in die Sicherheit der Anlage und die Akzeptanz für eine
angepasste Wiederinbetriebnahme der Sondermüllverbrennungs-
anlage Leverkusen-Bürrig weitgehend zurückgewonnen werden.“
Dem ist leider mitnichten so.
Diesem allgemeinen Beschwichtigungs-Konzert
trat ein breites Bündnis entgegen: Parents for
Future Leverkusen, Coordination gegen
BAYER-Gefahren, Klimaliste Leverkusen,
MLPD, Die Linke Leverkusen, Umwelt-
gewerkschaft Köln-Leverkusen & Düsseldorf.
Die Stimmung der Currenta-Mitarbeiterinnen konnten wir zuvor beim Verteilen
des Flyers spüren: Gut, dass ihr daran erinnert! Und auch Eingeständnisse:
Wir wissen, dass so viel auf dem Werksgelände nicht richtig läuft, aber wir
können es nicht ändern, es gibt Bestandsschutz… .Auch in Bürrig, dem
Leverkusener Stadtteil, der direkt neben der Giftmüllverbrennungsanlage liegt,
ist man über-wiegend der Meinung: „Gut, dass ihr das macht“, und immer
wieder „schrecklich, ich kann mich noch genau erinnern – das Haus bebte –
Fenster brachen – Angst vor der riesigen Qualmwolke… .“ Aber was tun?
„Wir leben schon so lange hier – all der Protest hat bisher nichts genützt –
aber gut, dass ihr was macht … .“ Dieser Mut, sich zu wehren, Widerstand zu
leisten, gegen das Vergessen zu arbeiten, stand auch im Mittelpunkt der
zahlreichen Reden auf der Kundgebung. Ein großer Strauß weißer Rosen
erinnerte an die sieben Toten und über 30 Verletzten.
Dazu sangen die Ford-Kollegen von der Band Gehörwäsche.
In der Eröffnungsrede erinnerte Gottfried Schweitzer, Umweltgewerkschaft und MLPD, daran, dass von den ca. 50 Kolleginnen in der Verbrennungsanlage nicht nur Sieben verbrannten, sondern auch weitere 31 verletzt wurden! Er griff deshalb den aktuellen Einstellungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Dortmund an.
Die hat bekanntgegeben, dass es – offensichtlich von Chefingenieur und Schichtmeistern – die Aufforderung kurz vor der Explosion gegeben habe, die komplette Anlage zu evakuieren. Der Betriebsleiter habe aber abgelehnt – die Gründe dafür wurden nicht genannt.
Gegen eine Zahlung von 1,9 Millionen Euro wurde auch das Verfahren gegen Currenta selbst eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund nennt dies selbst eine „Opportunitätsentscheidung“. Opportunistischer geht es nicht!
Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren
benannte vergangene und aktuelle Umweltvergehen der Bayer AG.
Alice Werner und Dany Kahindi von Parents for Future Leverkusen
sprachen die Einleitung von PFAS – den sogenannten Ewigkeitschemikalien –
in den Rhein an, aus dem nicht nur unsere niederländischen Nachbarn ihr Trinkwasser gewinnen!
Die Parents for Future appellierten an die Volksvertretungen auf allen Ebenen, dem Missstand der Umweltvergiftung durch die Industrie ein Ende zu setzen. „Hier bei uns und anderswo.“
Kenneth Dietrich, Ratsherr von Den Linken, schilderte, wie sich damals im Stadtrat alle über die Katastrophe entrüstet hätten, allen voran Die GRÜNEN. Den Worten seien aber nie Taten gefolgt.
Yvonne Trouwe von der Umweltgewerkschaft Düsseldorf berichtete von ihrem Kampf gegen die dortige Müllverbrennungsanlage im Wohngebiet, und stellte konkrete Forderungen dagegen vor.
Benedikt Rees, Stadtrat der Klimaliste, bezweifelte, dass die Zeit alle Wunden heilen würde, solange Ursachen und Verantwortlichkeiten der Explosion vom 27.07.21 nicht vollständig aufgeklärt seien.
Lisa Höchtl von der MLPD machte das kapitalistische Profitstreben als Kern des Übels aus.
Der Kinderarzt Gottfried Arnold dokumentierte lang wirkende Gesundheitsschäden als Folge von verseuchter Luft und Wasser.
Reiner Dworschak von der Umweltgewerkschaft rief zur Einheit von Arbeiter- und Umweltbewegung auf.
Zum Abschluss erklang das aufwühlende Lied von Güler Bayraktar, einer Anwohnerin in Bürrig, die die Explosion von ihrem Wohnzimmer aus miterlebt und gefilmt hat und dazu, noch heute erschüttert, gedichtet hat:
„Wir werden Euch Sieben nie vergessen..!“
Betroffene und Angehörige können sich gerne vertrauensvoll an
Parents for Future Leverkusen wenden.
( E: leverkusen@parentsforfuture.de )
V.i.S.d.P: Olaf Swillus, Burgstraße 38, 51427 Bergisch Gladbach, E: ug-koeln-lev@posteo.de
