6.5.2026 in GL: Podiumsdiskussion – „Wehrhafte Demokratie und Artikel 21 GG“

Regierung
Wie der „CDU-Opa“ mit Kritik an seiner Partei zum Influencer wurde
Der CDU-Lokalpolitiker Dieter Breymann beklagt in viralen Videos den konservativen Kurs der Partei.
Auch die Kritik an Friedrich Merz ist groß – trotzdem fürchtet er sich vor dessen Aus.
Sebastian Dalkowski
24.11.2025 – 16:27 Uhr
Mönchengladbach. Dieter Breymann trägt ein kariertes Hemd in Flieder und Weiß, dazu passende Socken und Einstecktuch, als er sich den AfD-Politiker im Publikum vornimmt. Eine Podiumsdiskussion in der Zentralbibliothek Mönchengladbach an einem Novemberabend. Breymann, 65, sitzt dort für die CDU, auch die anderen bekannten Parteien sind vertreten. Mit einer Ausnahme. Und die will das nicht akzeptieren. Der Vorsitzende der AfD-Ratsfraktion fordert eine Erklärung.
Breymann greift nach dem Mikro. „Herr Immel, ich fang‘ mal an, wir beide sind ja eng befreundet.“ Also in Abneigung verbunden. Breymann spricht ohne Eile. Erstens habe er gerade eine Biografie über Björn Höcke gelesen. Der sollte 2017 noch aus der AfD ausgeschlossen werden, weil er Nationalsozialist sei. Nun laufe auf ihn alles in der Partei zu. Zweitens habe die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Studie festgestellt, dass sich für die CDU jede Zusammenarbeit mit der AfD verbiete.
Drittens verweist er auf das Toleranzparadoxon des Philosophen Karl Popper. Das besagt, dass die tolerante Gesellschaft gegenüber der Intoleranz nicht tolerant sein dürfe. Sonst verschwinde diese Gesellschaft. Also müsse Immel damit leben, „dass man mit Ihnen intolerant umgeht, weil Sie eine intolerante Partei vertreten.“ Das Publikum applaudiert.
Im Stadtrat sitzt er seit fünf Jahren nicht mehr
Früher hätte einer wie Dieter Breymann jenseits solcher Podiumsdiskussionen wenig Aufmerksamkeit bekommen. Seit fünf Jahren sitzt er nicht mal mehr im Stadtrat von Gladbach. Immerhin, in der Bezirksvertretung, einer Art Stadtteilparlament, sitzt er noch.
Doch heute sehen Hunderttausende, wie sich Breymann nicht nur gegen die AfD stellt, sondern auch gegen den aus seiner Sicht zu konservativen Kurs seiner Parteiführung. Seit Sommer gehen die Zahlen seiner Instagram-Clips durch die Decke. „Wir Alten haben einen großen Vorteil: Wir wollen nichts mehr werden. Deshalb sagen wir vielleicht deutlicher, was uns missfällt.“
Wieso interessieren sich plötzlich so viele Menschen dafür, was ein bis vor wenigen Wochen unbekannter Lokalpolitiker über seine Partei zu sagen hat?
Dieter Breymann auf Instagram: Zehntausende Follower. Foto: Instagram
Zweimal hat Breymann darüber nachgedacht, Berufspolitiker zu werden. Beim ersten Mal hatte er gerade eine junge Familie, beim zweiten Mal, vor wenigen Jahren, wollte er sich das nicht mehr antun. Bis heute arbeitet er als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Mönchengladbach.
Wir sollten über Stadtbilder dringend reden, aber nicht in Zusammenhang mit Migration.
Dieter Breymann
Seine Kanzlei liegt in seinem Wahlkreis nahe dem Hauptbahnhof. Dort erzählt er, was es in dem Viertel alles nicht mehr gebe, keine Kneipen mehr, die Sparkasse geschlossen, Bäcker und Metzger weg. „Wir sollten über Stadtbilder dringend reden, aber nicht in Zusammenhang mit Migration“, sagt er.
Fast jeden Tag dreht er ein Video
Am liebsten, so wirkt es, würde Breymann in einer Welt leben, in der er sich mit der Linkspartei zofft. In der er mehr Zeit mit den zwei Enkelkindern verbringt, sich mehr mit Italien beschäftigt, das Land, über das er sagt: „In Italien ist sogar der Busfahrer gut angezogen.“ Eine Welt, in der er mehr Zeit hat, schöne Bücher zu lesen.
Sein Vater hat Deutsch an einem Gymnasium unterrichtet. Breymann hat die Liebe zur Literatur übernommen. Die Liebe zu Kunst, Theater und Oper folgten. Er ist bis heute vor allem Kulturpolitiker. Aber es sind andere Zeiten. „Wir kämpfen gerade um den Bestand der liberalen Demokratie“, sagt er wenige Stunden vor der Podiumsdiskussion in Mönchengladbach. Also dreht er fast jeden Tag ein Video.
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Vorhin hat er wieder eines gemacht. Diesmal beklagt er, dass Politiker sich nach Umfragen richten statt nach den Wahlergebnissen. Auch wenn die AfD in den Umfragen vor der Union liege, sei sie nicht stärker. Entscheidend sei, wer regiere. Zum Schluss sagt er wie immer: „Tschüss zusammen.“
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