Kommunikation

Literatur zum Thema Kommunikation / Weitere Titel: Schulz von Thun: Miteinander reden , Störungen und Klärungen. 1981.

Kommunikation – Probleme und Lösungen

Kommunikation mißlingt oft. Manchmal gibt es echte Interessensgegensätze, die eine Verständigung behindern, manchmal sind es nur Vorurteile oder falsche Wahrnehmungen. Oft ist es beides.

Daher lohnt es sich mit dem Thema Kommunikation zu befassen. Vor allem dann, wenn es Menschen betrifft, die erklärtermaßen gleiche Ziele haben, weil sie zum Beispiel Mitglieder einer Partei sind.

Ein wenig Theorie

Der Begriff der Kommunikation geht auf das Lateinische „communicatio“ zurück und verweist auf die Bedeutung von Teilen und Mit-Teilen. Im allgemeinsten Sinne ist Kommunikation als Teilhabe zu verstehen: Kommunikation als der kulturelle Prozess, in dem Gemeinschaft entsteht.

Darüberhinaus gibt es in der Wissenschaft weitere Ansätze und Definitionen:
Hier eine Übersicht: de.wikipedia.org/wiki/Kommunikationsmodell

Kommunikationsprobleme:

Ein bekanntes Modell, mit dem Kommunikationsprobleme analysiert werden können, bietet das Vier-Seiten-Modell (auch Kommunikationsquadrat oder Vier-Ohren-Modell) nach Friedemann Schulz von Thun. Nach diesem Modell enthält jede Nachricht vier Botschaften. Die vier Seiten einer Nachricht sind die Sache, die Selbstkundgabe, die Beziehung und der Appell.

Vier Ohren

Das Kommunikationsquadrat geht von der Annahme aus, dass jede Äußerung nach vier Aspekten (Seiten) hin interpretiert werden kann – vom Sender der Äußerung wie auch vom Empfänger. Diese vier Seiten der Nachricht werden im Modell durch eine Quadratseite in einer eigenen Farbe repräsentiert:

1. Auf der Sachseite (blau) informiert der Sprechende über den Sachinhalt, d. h. über Daten und Fakten.

2. Die Selbstkundgabe (grün) umfasst das, was der Sprecher durch das Senden der Botschaft von sich zu erkennen gibt.

3. Auf der Beziehungsseite (gelb) kommt zum Ausdruck, wie der Sender zum Empfänger steht und was er von ihm hält.

4. Was der Sender beim Empfänger erreichen möchte, wird auf der Appellseite (rot) deutlich.

In der zwischenmenschlichen Kommunikation werden die vier Seiten einer Nachricht oft nicht so gewertet, wie der Empfänger es beabsichtigt hat. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das was der Sender mit einer Äußerung ausdrücken und/oder bewirken will, entsprechen oftmals nicht den vier Seiten, wie sie beim Empfänger interpretiert werden. Deshalb machen die vier Seiten einer Nachricht zwischenmenschliche Kontakte so spannend, aber auch spannungsreich und anfällig für Störungen.

de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell

Vier Komponenten der Gewaltfreien Komunikation

Ein weiteres Modell ist die Gewaltfreie Komunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg.

Grundlegend sind die vier Komponenten:

1. Beobachtungen: Zuerst beobachten wir, was in einer Situation tatsächlich geschieht: Was hören wir andere sagen, was sehen wir, was andere tun, wodurch unser Leben entweder reicher wird oder auch nicht? Die Kunst besteht darin, unsere Beobachtung dem anderen ohne Beurteilung oder Bewertung mitzuteilen – einfach zu beschreiben, was jemand macht, und dass wir es entweder mögen oder nicht.

2. Gefühle: Als nächstes sprechen wir aus, wie wir uns fühlen, wenn wir diese Handlung beobachten. Fühlen wir uns verletzt, erschrocken, froh, amüsiert, irritiert usw.?

3. Bedürfnisse: Im dritten Schritt sagen wir, welche unserer Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen. Das Bewusstsein dieser drei Komponenten ist uns gegenwärtig, wenn wir die GFK einsetzen, um klar und ehrlich auszudrücken, wie es uns gerade geht. So kann ein Arbeitskollege zum Anderen sagen:
„Mich stört es, dass Du immer laute Radiomusik spielst, ich brauche Ruhe zum Arbeiten.“

4. Bitten: Sie macht dann sofort weiter mit der vierten Komponente – einer sehr spezifischen Bitte: „Kannst Du bitte das Radiogerät leise drehen oder Kopfhörer benutzen“. Dieses vierte Element bezieht sich darauf, was wir vom anderen wollen, so dass unser beider Leben schöner wird. Was kann er oder sie konkret tun, um unsere Lebensqualität zu verbessern?

So besteht die eine Seite der GFK darin, diese vier Informationsteile ganz klar auszudrücken, mit Worten oder auf andere Weise. Auf der anderen Seite nehmen wir die gleichen vier Informationsteile von unseren Mitmenschen auf. Wir treten mit ihnen in Kontakt, indem wir uns darauf einstimmen, was sie beobachten, fühlen und brauchen, und wenn wir dann den vierten Teil hören, ihre Bitte, entdecken wir, was ihre Lebensqualität verbessern würde. Während wir unser Augenmerk auf diese vier Bereiche richten und anderen dabei helfen, das gleiche zu tun, bauen wir einen Kommunikationsfluss auf, der sich hin und her bewegt:
Was ich beobachte, fühle und brauche; um was ich bitte, um mein Leben zu verschönern; was du beobachtest, fühlst und brauchst; worum du bittest, um dein Leben zu verschönern…

Zusammenfassung des Modells der Gewaltfreien Kommunikation

Konkrete Handlungen, die wir beobachten können, und die unser Wohlbefinden beeinträchtigen; wie wir uns fühlen, in Verbindung mit dem, was wir beobachten;
unsere Bedürfnisse, Werte, Wünsche usw. aus denen diese Gefühle entstehen;
die konkrete Handlung, um die wir bitten möchten, damit unser aller Leben reicher wird.

Teile der GFK:

Wenn wir mit dem Modell arbeiten wollen, können wir entweder damit anfangen, uns selbst in dieser Sprache auszudrücken oder die vier Informationsteile von anderen Menschen einfühlsam aufzunehmen. Ich spreche sodann sozusagen mit dem inneren Modell meines Gegenübers, ohne dass dieser es überhaupt zu erfahren braucht. Auch wenn wir lernen, auf die einzelnen Komponenten zu hören und sie verbal auszudrücken, ist es doch wichtig, im Gedächtnis zu behalten, dass die GFK nicht auf einer feststehenden Formel beruht, sondern sich unterschiedlichen Situationen ebenso anpasst wie persönlichen und kulturellen Gegebenheiten.

So ist es möglich, alle vier Teile des Modells auszudrücken, ohne dabei ein einziges Wort zu verlieren. Das Wesentliche der GFK findet sich in unserem Bewusstsein über die vier Komponenten wieder und nicht in den tatsächlichen Worten, die gewechselt werden. Das ist etwa so wie im Kopf Schach spielen…

1. Sich mit Hilfe der vier Komponenten ehrlich ausdrücken,
2. mit Hilfe der vier Komponenten empathisch zuhören.

Schriftliches

Kommunikation findet nicht nur durch Sprechen statt, sondern immer mehr wird auch über Email kommuniziert. Vieles was über Kommunikation allgemein gesagt wurde, läßt sich sowohl für das gesprochene Wort als auch für Emails anwenden. Emails haben aber auch einige Besonderheiten, wie z.B. die Möglichkeit sich an einzelne, oder an offene Verteiler oder Blindverteiler zu wenden. Ausserdem bringt die Schriftform einige weitere Besonderheiten mit sich, das Fehlen von Mimik, und die Schwierigkeit z.B. Ironie zu verstehen, mit sich, die zu beachten sind.

Fortsetzung folgt …

In Kürze soll es einige Anleitungen und Beispiele zu guter und fairer Kommunikation geben. Eine These wird sein, dass auch Streitfragen fair behandelt werden können, und dass sogar bei objektiven Interessenskonflikten durch Gespräche neue Ideen und Informationen nicht nur ausgetauscht, sondern auch gefunden werden können, die zu Übereinkünften führen, die allen Seiten gerecht werden. Dazu sind aber Störungen der Kommunikation auszuräumen, – das Vier-Seiten-Modell kann dabei sehr hilfreich sein. Die vier Komponenten der GFK können schließlich helfen diese Ziele zu erreichen.

2 Antworten auf Kommunikation

  1. Pingback: Kommunikationstalent | Swiola

  2. Pingback: Zwischen dem Bedürfnis nach Verständigung und der Lust am Streit | LinksDiagonal

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