Geschichte des Antikriegstags

1. September

Das Datum erinnert an den deutschen Überfall auf Polen 1939. Am 1. September 1957 wurde der „Antikriegstag“ zum ersten Mal begangen.

Die Initiative für diesen Gedenktag ging vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) aus, der erstmals unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu Aktionen aufrief.

Aufgerufen hatte auch die „Antimilitaristische Aktion“, ein Bündnis der Sozialistischen Jugend – Die Falken, der Solidaritätsjugend, der Naturfreundejugend und der Verband der Wehrdienstverweigerer, denn im Juli 1956 war die allgemeine Wehrpflicht beschlossen worden und am 1.4. 1957 zogen die ersten Wehrpflichtigen in die Kasernen der Bundeswehr ein.

1953 entstand in Köln die Gruppe der Wehrdienstverweigerer (GdW), die sich die Bekämpfung der Wehrpflicht, die Propagierung der Kriegsdienstverweigerung und die Interessenvertretung der Kriegsdienstverweiger zur Aufgabe gemacht hatte. Die GdW stützte sich vor allem auf Arbeiter und Angestellte, die den Gewerkschaften und sozialdemokratischen Jugendverbänden nahestanden. Aufgrund unkonventioneller Werbemethoden (Autokorso, Spuckzettel) konnte sie bis 1957 ca. 5.000 Mitglieder gewinnen.(mehr…)

Der klare Wahlsieg Adenauers 1957 und die unerwartet geringe Zahl von Kriegsdienstverweigerern bei den ersten Musterungen ließen eine Fusion der Gruppe der Wehrdienstverweigerer (GdW) und der etwa 4.000 Mitglieder zählenden Internationale der Kriegsdienstgegen (IdK) geboten erscheinen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch 1959 vor allem daran, dass die GdW, die ihre Ziele durch Einflussnahme auf SPD und Gewerkschaft zu verwirklichen hoffte, die Einfügung einer antikommunistischen Unabhängigkeitsklausel in die Satzung verlangte. Nur wenige IdK-Gruppen bildeten daraufhin am 4. Mai 1958 mit der GdW den Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK), dessen Aktivitäten sich in den folgenden Jahren vor allem auf die Unterstützung von Kriegsdienstverweigerung konzentrierten.

1966 nahmen IdK und VK, die beide etwa 5.000 Mitglieder zählten, erneute Fusionsverhandlungen auf, die 1967 jedoch wiederum scheiterten und 1968 schließlich zur Entstehung der Deutschen Friedensgesellschaft-Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-IdK) durch den Zusammenschluss von DFG und IdK führten. Verursacht wurde der neuerliche Fehlschlag vor allem durch die Artikulation linkssozialistischer Vorstellungen durch führende VK-Vorstandsmitglieder, die auf einen sozialistischen Verband abzielten, während die IdK am Bündnischarakter der Organisation festhielt.

In den 1970er Jahren kämpfte der DFG-IdK zusammen mit der VK schließlich für die Ratifizierung der Ostverträge und für das Zustandekommen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Mit der Wahl eines neuen Vorstandes unter Klaus Mannhardt 1973 waren die Voraussetzungen für erneute Fusionsverhandlungen geschaffen, die am 24. November 1974 mit der Konstituierung der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) erfolgreich abgeschlossen wurden. Das Programm der DFG-VK zeichnete sich durch den Versuch aus, die Tradition der radikalen Kriegsdienstgegnerschaft und des politischen Pazifismus in einer fruchtbaren Synthese zu verbinden. Folgerichtig zielten die Aktionen schwerpunktmäßig auf die Abschaffung des Prüfungsverfahren für KDVer und die möglichst starke Ausweitung der KDV sowie auf substantielle Abrüstungsschritte und eine europäische Friedensordnung ab. Höhepunkte dieser Aktivitäten waren die Internationale Abrüstungsstaffette Helsinki-Belgrad, die 1977 zusammen mit internationalen Partnerorganisationen durchgeführt wurde, und die zahlreichen Aktionen gegen die Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen Anfang der 80er Jahre. Im September 1987 veranstaltete die DFG-VK gemeinsam mit dem Friedenskomitee der CSSR, dem Friedensrat der DDR und der Österreichischen Friedensbewegung den Olof-Palme-Friedensmarsch, dessen Kernforderung auf die Schaffung eines 300 Kilometer breiten atomwaffenfreien Korridors entlang der Demarkationslinie abzielte. Bei dieser ersten Block überschreitenden gemeinsamen Aktion gelang es der DFG-VK durch Vereinbarungen sicherzustellen, dass in der DDR erstmals unabhängige Friedensgruppen mit eigenen Losungen und Transparenten teilnehmen konnten.

Faktisch seit der Fusion 1974 gab es innerhalb der DFG-VK stellenweise scharfe Auseinandersetzungen zwischen denjenigen, die für eine radikal antimilitaristische, oft gleichzeitig sozialistisch-anarchistisch gefärbte Profilierung der Organisation eintraten und einer (auf Bundeskongressen und im Bundesvorstand sich durchsetzenden) Mehrheitsströmung, die der DFG-VK eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines breiten Friedensbündnisses zuerkannte. Gleichzeitig kam es immer wieder zu Kontroversen über die Rolle von KommunistInnen in der Organisation, und über die Einschätzung der Militärpolitik der Warschauer Pakt-Staaten. Tatsächlich zeigte die DFG-VK in der breiten Anti-Raketenbewegung Anfang der 80er Jahre wenig eigenständiges Profil, obwohl sie als organisatorischer Kern und Initiator mancher Initiativen (z. B. der Kampagne „Machen wir unser Land atomwaffenfrei – Straße für Straße, Stadt für Stadt“) eine wichtige Rolle spielte.

Auf dem Bundeskongress 1989 in Bremen benannte sich die Organisation in „Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ um und dezentralisierte ihre Satzung, so dass jetzt alle Gliederungen (Basis- und Ortsgruppen, Regionalverbände, Landesverbände und Bundesverband) ihre Angelegenheiten selbständig regeln. Außerdem können sich eigenständige Jugendgruppen, KDV-Initativgruppen, Friedensinitiativen und Gesprächskreise dem Verband als korporative Mitglieder anschließen.

Schwerpunkte KDV und zivile Konfliktbearbeitung

Heute versteht sich die DFG-VK als eine radikale pazifistische Organisation mit dem Ziel, die Institution des Krieges zu beseitigen und eine Welt sozialer Gerechtigkeit zu schaffen, in der Mensch und Natur in Einklang leben. Den Begriff der KDV versteht die DFG-VK in einem umfassenden Sinn; sie ruft nicht nur zur Verweigerung des Wehrdienstes auf, sondern zur Verweigerung jeglicher Beteiligung an Kriegsvorbereitungen (Zivilschutz, Militarisierung des Gesundheitswesens, Rüstungssteuerverweigerung). Den Zivildienst für KDVer betrachtet die Organisation aufgrund seiner Einbettung in das System staatlicher Kriegsvorbereitung und -führung skeptisch und unterstützt daher die Verweigerung aller staatlichen Zwangsdienste durch die totale Kriegsdienstverweigerung; sie fordert die Abschaffung der Wehrpflicht, wendet sich gegen die weltweiten Kriegseinsätze der Bundeswehr sowie die Militäreinsätze im Inneren der Bundesrepublik im Rahmen vorgeblichen Terrorismusbekämpfung. Die DFG-VK strebt die Abschaffung des Militärs in der Bundesrepublik Deutschland an und setzt sich darüber hinaus für die allgemeine und vollständige Abrüstung ein. Außerdem engagiert sich die DFG-VK im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus; örtliche Gruppen und Landesverbände sowie Facharbeitskreise bearbeiten mit unterschiedlicher Intensität weitere friedenspolitische Aktionsfelder (z.B. Atomwaffenverbot und -abzug aus der Bundesrepublik, Rüstungsexport, Kleinwaffen und Landminen, „Dritte Welt“, Ökologie, Zivile Konfliktlösung, Gegenrekrutierung der Bundeswehr, …).
Einen großen Stellenwert misst die DFG-VK der internationalen Friedensarbeit bei. Sie hat in den letzten Jahren intensiv den Kampf der KDVer in Osteuropa unterstützt, hat KDVern und Deserteuren aus dem zerfallenen Jugoslawien zu helfen versucht. Ferner organisieren sich in der DFG-VK türkische und kurdische Kriegsdienstverweigerer. Weitere wichtige Arbeitsgebiete der DFG-VK sind die zivile Konfliktbearbeitung und -prävention sowie Friedenserziehung.

Die DFG-VK ist Mitglied in der War Resisters´ International (WRI), im International Peace Bureau (IPB) in Genf sowie im Sonderausschuss der Nichtregierungsorganisationen für Abrüstung bei den Vereinten Nationen in Genf und beteiligt sich an der Arbeit der Helsinki Citizens Assembly in Prag.

Der Antikriegstag 1980 wurde vom DGB-Bundesvorstand zum „Tag für friedenspolitische Aktionen der Gewerkschaften“ deklariert. 1981 initiierte der DGB zum Antikriegstag eine bundesweite Unterschriftsaktion gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa und gegen die Produktion von Atomwaffen. Bis zum Antikriegstag am 1. September 1982 wurde dieser Aufruf von 1,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unterschrieben.

Heute stehen die Forderungen nach Senkung der weltweiten Militärausgaben, die Kritik an der EU-Militarisierung, der Krieg in Afghanistan und die Kritik an der NATO im Vordergrund.

In vielen Städten sind am 1. September Kundgebungen und Veranstaltungen, zu denen Gewerkschaften, Friedensorganisationen und örtliche Friedensgruppen aufrufen.
Informationen, Termine und Veranstaltungen findet Ihr unter:

http://www.friedenskooperative.de/netzwerk/akt12ter.htm

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