Wind, Flaute oder Sturm

27. Januar – Gedenkaktion zur Befreiung von Auschwitz

Gedenken auf dem
Willy-Brandt-Platz

27. Januar 13.00 -17.00 Uhr

VVN-BDA Essen

Der überwiegende Teil der bis dahin überlebenden Häftlinge war bereits wenige Tage zuvor von der SS auf den Todesmarsch westwärts getrieben worden bei starkem Schneefall und klirrender Kälte. Wer zurück blieb, nicht mehr laufen konnte, wurde von der SS erschossen. Die Räumung vieler Konzentrationslager in den letzten Kriegsmonaten hatte neben dem Versuch Spuren zu verwischen die weitere Vernichtung der Häftlinge zum Ziel. Es spielten sich tausendfache Tragödien auf den Straßen und Schienen ab, vor den Augen der Bevölkerung. Mit dem Gedenktag am 27. Januar, muss im Gedächtnis bleiben, zu was Faschismus fähig ist, wenn er an die Macht kommt. Der italienische Schriftsteller und Auschwitzüberlebende Primo Levi fasste es in diesen Worten zusammen: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ Und die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano schrieb anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten: „Es ist für uns Überlebende unerträglich, wenn heute wieder Naziparolen gebrüllt werden, wenn Menschen durch die Straßen gejagt und bedroht werden, wenn Todeslisten kursieren. Wir wollen uns nicht gewöhnen an Meldungen über antisemitische, rassistische und menschenfeindliche Attacken in Berlin und anderswo, in Halle. … Ich fordere: Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“ Die Aktion wird Online übertragen – mehr dazu auf der Homepage der VVN-BdA Essen

800.000 Deutsche, die aufgrund von rassistischer Zuschreibung oder politischer Haltung verfolgt wurden, konnten nach 1933 nur überleben, weil sie in einigen Ländern der Welt Asyl und solidarische Hilfe erhielten. Dennoch gab es die Kehrseite. Vielen verzweifelten Verfolgten wurde ein Visum und damit die Ausreise aus Deutschland verweigert. Jüdinnen und Juden wurden wieder nach Deutschland abgeschoben, wenn sie illegal die Grenze überquerten. Wie viele Menschen hätten vor den Nazischergen und dem Holocaust gerettet werden können, hätte es damals nicht die Abschottungspolitik einer Reihe von Ländern gegeben. Aus diesen Asylerfahrungen heraus haben viele aus dem Exil Zurückgekehrten leidenschaftlich darum gekämpft, dass das Grundrecht auf Asyl, der Artikel 16, als unverzichtbares elementarstes Menschenrecht, für immer und ewig verankert wird. Doch das Recht auf Asyl wurde in den letzten 28 Jahren unter Missachtung des Grundgesetzes immer weiter ausgehöhlt. Nun erleben wir, wie Geflüchtete auf der Insel Lesbos seit Jahren verzweifelt versuchen, in Ländern der EU aufgenommen zu werden, um dort ein gerechtes Asylverfahren zu erhalten. Und so ergeht es auch den Geflüchteten in Lipa in Bosnien-Herzegowina, die an der Grenze zu Kroatien hartherzig in Schnee und Kälte ihrem Schicksal überlassen werden. Zumindest haben Hilfsorganisationen Zelte aufgestellt. Die EU unternimmt bisher nichts, hält fest an ihrer menschenfeindlichen Abschottungspolitik, auch die Bundesregierung, obwohl sich eine Vielzahl von Kommunen in der Bundesrepublik bereit erklären, Geflüchtete aufzunehmen. Mit ihrer Aufnahmebereitschaft wollen die Kommunen ein Zeichen der Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft setzen, ein Zeichen gegen die asylfeindliche Politik der Bundesregierung und gegen die unmenschliche Hetze der AfD..
Tun wir alles, damit entsprechend dem elementaren Menschenrecht auf Asyl gehandelt wird, so wie es im Grundgesetz ursprünglich festgeschrieben war. Die Bundesrepublik hat hier als Rechtsnachfolgerin NaziDeutschlands aufgrund des millionenfachen Leids durch Angriffskrieg und Völkermord eine besondere historische Verantwortung.

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