Jean Ziegler zur Situation in Moria auf Lesbos

https://www.rf-news.de/2020/kw37/seit-januar-liegt-jeans-zieglers-anklageschrift-vor

Moria

Seit Januar liegt Jeans Zieglers Anklageschrift vor!

Moria, Mai 2019: Die Flüchtlinge erhalten Essen, riechen am Fleisch und werfen dies unmittelbar weg. Das gleiche auch in den folgenden Tagen, auch bei Fisch. Obwohl sie nicht satt aussehen, ernähren sie sich nur von den Beilagen.
Korrespondenz aus Bochum Sonntag,  13.09.2020,  16:00 Uhr

Ein Besucher des Lagers geht dem nach: Das Lager war ursprünglich ein Armee-Lager und wird weiterhin von der Armee verwaltet. Dort sitzen korrupte Leute, die sich gutes Essen bezahlen lassen – und den Flüchtlingen Schweinefraß hinwerfen.

Wer ist der über 80-jährige weißhaarige Mann, dessen höflichen, aber unnachgiebigen Fragen keiner so schnell entgeht? Jean Ziegler, Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrates. Und er bohrt weiter: viel zu wenig Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen, völlig unzureichende ärztliche Versorgung, Anträge auf Asyl werden jahrelang nicht bearbeitet und oft ohne ernsthafte Prüfung abgelehnt. Es geht nicht um einzelne korrupte Beamte, sondern ein ganzes System.

Er spricht mit einem amerikanischen Juristen in der UNO-Abteilung „Migration und Menschenrechte“, der ihm sagt: „Wir haben gesehen, dass diese Hotspots in Wahrheit Haftzentren sind, die den Bewohnern die Freiheit nehmen und gegen zahlreiche Menschenrechte verstoßen, insbesondere gegen das Recht auf Gesundheit, das Recht auf angemessene Unterkunft, das Recht auf Familie, das Verbot von Folter und anderen unmenschlichen Behandlungen, gegen das Recht auf Asyl und gegen jeden anderen Schutz, den das Völkerrecht verlangt.“ (Ziegler, Die Schande Europas, S. 136)

Ziegler nennt als weitere Täter die EU-Regierungen – einschließlich der Bundesregierung -, die Frontex den Auftrag gaben, nicht Flüchtlinge vor dem Ertrinken aus dem Mittelmeer zu retten, sondern an der Flucht zu hindern. Der polnische Ministerpräsident spricht in faschistischer Wortwahl von den Flüchtlingen als „Gefährder der ethnischen Reinheit“ des Kontinents (ebenda S. 138). Das gleiche, allerdings vorsichtiger formuliert, hört sich bei der EU-Kommissarin Von der Leyen (CDU) so an: Aus dem Kommissar für Flüchtlinge machte sie die Aufgabe: „Migration und Schutz der europäischen Lebensweise“ (ebenda S. 135).

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