»Du bist nicht ganz verlassen« Eine Geschichte von Rettung und Widerstand im Nationalsozialismus

10.3.2020, 19 Uhr, Alte Synagoge, Edmund-Körner-Platz 1, 45127 Essen

In den frühen 1920er-Jahren fand sich in Essen eine kleine Gruppe von Idealisten zusammen. Der „Bund – Gemeinschaft für sozialistisches Leben“ war auf der Suche nach einer Lebensweise, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringen sollte. Doch mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten änderte sich die Agenda seiner Gründer: Sie arbeiteten gegen das Regime und wurden in der Judenhilfe aktiv. Sie schrieben Briefe an die Opfer, verschickten Pakete mit Lebensmitteln und Kleidern, verschafften den Verfolgten Unterkünfte und unterstützten einige dabei, im Untergrund zu überleben. Mittels unveröffentlichter Aufzeichnungen, Fotos und Interviews mit früheren Mitgliedern erzählt der britische Historiker Mark Roseman die bislang weitgehend unbekannte Geschichte des „Bundes“. Anhand dieser außerordentlichen Geschichte gelingt es Mark Roseman, die Erfahrung von Rettung und Hilfe neu zu denken. Das Buch zeigt unter anderem wie sehr unsere Vorstellung von der „Rettung“ von Juden ein Nachkriegsprodukt ist, geprägt vom Bedürfnis, ein vereinfachtes Bild des rechtschaffenen Individuums zu feiern. Dagegen deckt Mark Roseman eine Welt auf, die vielfach nicht zu unserer gängigen Vorstellung passt, und zeigt zudem, wie schwer es den Akteuren fiel, ihre eigenen Erlebnisse in der Nachkriegszeit zu bewerten. Vor allem aber wirft die Geschichte des Bundes neues Licht darauf, was es bedeutete, in der dunklen Zeit Hilfe zu leisten.


Mark Roseman ist in England aufgewachsen und hat sich schon seit längerem mit der Problematik des Überlebens im Untergund beschäftigt. Er ist Historiker und lehrt an der Indiana University in Bloomington. Er ist dort Distinguished Proefssor für Jüdische Studien und lehrt auch am Department für Germanistik. Er stellt in Essen als erstem Ort in Deutschland sein neuestes Buch über den „Bund“ vor.

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