Gedenken an 520 Jüdinnen, Zwangsarbeiterinnen bei Krupp

Freitag 27. Januar, 17.00 Uhr
vor der Hauptverwaltung von Thyssen-Krupp,
Altendorfer Straße

Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz von der Roten Armee befreit. Die Hölle von Auschwitz, das Synonym für das größte Menschheitsverbrechen, existierte nicht mehr, die Gaskammern, die Krematorien waren zerstört.

Doch weiter starben tausende Häftlinge, die von Auschwitz und anderen Vernichtungs- und Konzentrationslagern auf Todesmärschen in Richtung Westen getrieben wurden.

170127_befreiung_von_auschwitz_krupp_351 Auch in Essen setzte sich das fürchterliche Martyrium der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach dem 27. Januar fort. Unter ihnen befanden sich 520 jüdische Ungarinnen, die für Krupp Sklavenarbeit verrichten mussten. Die Frauen zwischen 14 und 25 Jahren waren in Auschwitz zur Zwangsarbeit nach Essen selektiert worden. Sie wurden in Baracken des KZ-Außenlagers Buchenwald an der Humboldtstraße unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht, bei völlig katastrophaler Ernährung ohne jeglichen Schutz vor Bombardierungen. Bei klirrender Kälte mussten sie in viel zu leichter Häftlingskleidung, in Holzpantinen oder barfuß täglich sieben Kilometer bis zur Helenenstraße zurücklegen, dort körperliche Schwerstarbeit ohne irgendeine Schutzkleidung im Walzwerk II leisten. Nach der 12stündigen Arbeit mussten sie erschöpft wieder den langen Rückweg zur Humboldtstraße antreten. Prügel und andere Strafen durch SS-und Krupp-Wachmannschaften gehörten zum Alltag der Frauen. Es gab jedoch auch Krupp-Arbeiter, die den Frauen Brot zusteckten, und sechs Frauen sogar zur Flucht verhalfen. Alle anderen Ungarinnen wurde am 15. März 1945, vier Wochen bevor die Amerikaner Essen befreiten, über das Konzentrationslager Buchenwald ins KZ Bergen-Belsen geschickt.

Das Verbrechen an den 520 Jüdinnen zeigt, dass Krupp sowie bedeutende Unternehmen Teil des mörderischen Systems des faschistischen Regimes waren. Als einer der wichtigsten Rüstungsbetriebe war Krupp bis zum Schluss nicht nur Förderer der Faschisten und Profiteur an dem verheerenden 2. Weltkrieg, sondern beteiligt an der Versklavung von über 100 000 Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen in Europa, an der „Vernichtung durch Arbeit“. Alfried Krupp wurde im Nürnberger Prozess als Kriegsverbrecher verurteilt. Heute wird er in Essen als großer Sohn unserer Stadt gefeiert. Seine Verantwortung für die Verbrechen wird so gut wie nicht erwähnt.

Den 27. Januar nehmen wir in diesem Jahr zum Anlass, der 520 Ungarinnen zu gedenken und als VVNBdA wiederholt zu fordern, den 8. Mai, der Tag der Befreiung vom Faschismus, wie in vielen vom Faschismus befreiten Ländern Europas, zum gesetzlichen Feiertag zu erklären.

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