Offener Brief von Walter Wandtke „Leserbrief an WAZ und andere … “ über VER.DI-Führung und Messelobby …
Zitiert nach: https://www.facebook.com/BBMesseEssen

Von Walter Wandtke

Leserbrief an WAZ und andere –

Messe-Arbeitsplätze sind sicher

Einseitige Parteinahme von Verdi für den Messe-Ausbau-Kredit

Als langjähriges VERDI-Mitglied bin entsetzt über den einseitigen Messe-Ausbaukurs den die Essener VERDI –Führung gesetzt hat. Mit ihrem Brief an die Mitglieder betreibt Verdi Panikmache. Seit Sommer entwickelt sich VERDI in Essen zur Speerspitze der Messe-Ausbaulobby, die hauptsächlich die Interessen der Messe-GmbH im Blick hat. Die VERDI-Empfehlung, beim Bürgerentscheid am 19. Januar mit Nein zu stimmen, schadet einem großen Teil anderer Essener Arbeitnehmer, die bei der Stadt Essen oder deren Tochterunternehmen beschäftigt sind.

Es stehen seitens der Stadt weder Entlassungen für die 210 Messebeschäftigten im Raum oder gar deren „Abwicklung“, denn natürlich gilt weiterhin der Ratsbeschluss, im Gesamtkonzern Stadt „betriebsbedingte Kündigungen“ auszuschließen. Außerdem ist die Stadt vertraglich verpflichtet, die Messe mindestens bis 2032 weiter zu führen.

Geradezu perfide ist die Behauptung, die Billigkredite der Stadt an die Messe seien „ die Nagelprobe dafür, dass die Stadt bei öffentlichen Betrieben überhaupt investiere“. Da sollte Hr. Grüll einmal nachfragen, ob Investitionen nicht bei „Grün- und Gruga“ oder „Sport- und Bäderbetrieben“, EVAG oder der EABG viel notwendiger sind. Das Geld für den Messeausbau führt in absehbarer Zeit nicht zu Gewinnen – nicht einmal die Finanzpläne der Messe versteigen sich zu dieser kühnen Idee. Mit noch mehr Kreditbelastung wird die seit Jahren defizitäre Messe erst recht nicht mehr aus dem Zuschussbereich herauskommen. Die Gesamtzeche müssen dann wieder alle Essener berappen.

Künftig soll also bei der Messe GmbH in dreistelliger Millionenhöhe investiert werden, während alle anderen Stadtbeschäftigten wegen der bedrohlichen Haushaltslage der Stadt Kürzungen hinnehmen müssen oder Investitionen jahrelang nach hinten verschoben werden. Der 123 Mio-Kredit kann kein „Modell für andere Stadttöchter“ sein, mit den jetzt vorgenommenen Ausgaben ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Niemand wird daran glauben, dass jetzt noch ein 100 Mio-Investionskredit zB. an die Essener Verkehrs AG nachfolgen könnte.

Es bleibt merkwürdig, dass der örtliche VERDI-Chef Grüll tatsächlich glaubt, die Messe sei der wichtigste kommunale Betrieb oder die wesentlichste Investition in der Stadt. Die Essener VERDI kämpft hier eben nicht um jeden einzelnen Arbeitsplatz in Essen, sondern nur für die besonderen Interessen Messe GmbH. Für Gewerkschaftspolitik ist dass zu wenig- mit ein Grund für meinen aktuellen Gewerkschaftsausstritt.

Mit freundlichen Grüßen, Walter Wandtke

Erwiderung von Olaf Swillus darauf:

Lieber Walter, ich finde Deinen offenen Brief prima, und würde ihn als VER.DI Mitglied gerne mit unterschreiben, wenn da nicht der allerletzte Satz wäre, in dem Du deinen Austritt aus VER.DI erklärst. Nicht Du solltest austreten sondern Bezirksgeschäftsführer Lothar Grüll sollte von seinem Posten zurücktreten. Viele VER.DI-Mitglieder sollten das fordern, und wenigstens die Debatte um die verfehlte Politik der Gewerkschaftsführung damit anfachen. Das wäre die richtige Stoßrichtung. Leider gibt es keine Alternativen zur Gewerkschaft. Horst Dotten ist aus der IG-Metall ausgeschlossen worden, weil er für die MLPD kandidiert hatte. Ihn sollten wir in seiner Forderung unterstützen wieder aufgenommen zu werden.

Und wir VERD.DI – Mitglieder sollten darum kämpfen, dass VER.DI für unsere Interessen steht. Für mich hat VERD.DI übrigens auch eine ganz praktische Bedeutung. Dort gibt es jemanden, der für Mitglieder bei Lohnsteuererklärungen hilft. Das habe ich in Anspruch genommen. Auch bei Rechtsstreits vor Arbeitsgerichten gibt eine Gewerkschaft Hilfe. Darauf sollten wir nicht verzichten.

Aber Lothar Grüll sollte auf seinen Gewerkschaftsposten verzichten, wenigstens sollten wir das fordern, wenn er nur der Messelobby dienen will.

Olaf Swillus

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