In einer Pressemitteilung schimpft der Vorsitzende der Essener Linksfraktion über Verdi-Geschäftsführer Lothar Grüll, der Verdi- Mitgliedern empfahl das Bürgerbegehren gegen den Messeausbau nicht zu unterschreiben.:


„Ich habe den Eindruck, dass Kollege Grüll, der in Oberhausen wohnt, ziemlich ahnungslos die unbewiesenen Behauptungen der Messe-Lobby nachplappert. Offenbar gibt es an der Basis größere Sachkenntnis, wie die zahlreichen Unterstützerunterschriften auch von ver.di-Mitgliedern zeigen“, stellt LINKEN-Fraktionsvorsitzender Hans Peter Leymann-Kurtz fest.

Und bekam per Leserbrief die passende Antwort …



Inzwischen kritisiert nun Martin Hase, Verdi-Fachbereichtsvorstandsmitglied Sozialversicherung, Verdi-Geschäftsführer Lothar Grüll. Es sei nur seine private Meinung gewesen, und er solle seine Position bei Verdi doch nicht dazu benutzen um seiner privaten Meinung Nachdruck zu verleihen.


Sachlich und geduldig wird dagegen in einer Pressemitteilung von „Essen Steht Auf“ argumentiert und dargelegt, warum Arbeitsplätze kein Argument gegen den Messe Bürgerentscheid sind

Presseinformation 10.9.2013

„Arbeitsplätze kein Argument gegen Messe Bürgerentscheid“

‚Essen steht AUF‘ lehnt verdi-Kampagne gegen Bürgerbegehren ab

Bedauerlich und falsch findet „Essen steht AUF“ die Pro Messe-Parteinahme von verdi-Chef Lothar Grüll. Das Argument angeblich verlorener Arbeitsplätze, wenn die Messe nicht „konkurrenzfähig“ gemacht würde, diene als Totschlagargument gegen Daseinsvorsorge und Bürgerwillen.

AUF-Ratsherr Dietrich Keil, selbst engagierter Gewerkschafter, ist von der Einseitigkeit des Kollegen Grüll enttäuscht. „Tatsächlich sind doch die Messe-Husaren um OB Paß bisher jeden Beweis schuldig geblieben, wie die Messe wirtschaftlich aufgestellt werden soll auf dem schrumpfenden Messemarkt mit den viel größeren Messen Düsseldorf und Köln gleich nebenan.“ Auch deshalb seien die 123 Mio plus X plus jährlich 13,5 Mio völlig unangemessen bei all den Defiziten der verschuldeten Stadt bei Infrastruktur, Bildung usw.

„Dieser teure Husarenritt gilt einer Großmannssucht, bei den Top Ten mitspielen zu wollen. Und damit einer falschen und aussichtslosen Konkurrenzfähigkeit, die man als Gewerkschafter kritisieren müsste. Denn daran gebundene Arbeitsplätze sind keinesfalls sicher. Stattdessen wird mit völlig unbewiesenen Zahlen von Arbeitsplätzen jongliert, die die Messe angeblich kreiert.“

Abgesehen von der Minderqualität vieler Arbeitsplätze etwa im Gastrobereich, falle Grüll darauf herein, dass hier pauschal alles mitgezählt wird, was mit der Messe mal zu tun hat, aber gar nicht davon abhängt. „Hier wird kräftig schwarz gemalt und pauschal von Wegfall dieser Arbeitsplätze schwadroniert, was aus der Luft gegriffen ist. Schlimmer noch: Dass viele Millionen, die durch das Bürgerbegehren ‚Messe nicht um jeden Preis‘ dann in andere Bereiche investiert werden können, sehr wohl gute und sichere Arbeitsplätze bewirken können, kommt Grüll gar nicht in den Sinn.“

Auch auf der Ratssitzung am 17.7.2013 wurde bereits darüber gesprochen:

Auf http://www.essen.de/de/Rathaus/Rat/ratssitzungen_live.html ( Sitzungs-Archiv: Video-Aufzeichnung der Ratssitzung am 17. Juli 2013, ab Minute 147:45)
ist das noch nachzuhören.

Dietrich Keil (Essen Steht AUF) führte dazu aus:

– es ist keinesfalls gesagt, dass bei einer alternativen Verwendung vieler dieser Millionen – es geht ja nicht um alle, nicht auch Arbeitsplätze oder vielleicht sogar mehr Arbeitsplätze und Umsätze enstehen in Essen als in dieser meiner Meinung nach unsinnigen IFO-Gutachten das immer zitiert wird. Mit solchen Zahlen, was da so alles die Folgen der Messe sind, die man glauben kann oder nicht. Und vor allen Dingen, es ist vor allem falsch wenn immer nur von möglichen Verlusten gesprochen wird, aber eine nützliche Verwendung wird überhaupt nicht bedacht dabei. Es geht also nicht um schwarz oder weiß, sondern es geht darum wie werden diese Mittel eingesetzt. Diese unsere kritische Haltung zur Messeinvestition wurde und wird gerne als komplette Absage an die Messe interpretiert: Das ist falsch. Es geht um die Verhältnismäßigkeit.

Und ich bleibe, zusammen auch mit den LINKEN bei der Kritik, dass es, auch wenn es beschworen wurde hier, keine konzeptionellen Alternativen gab, die untersucht wurden. Jedenfalls haben sie uns nicht vorgelegen. Die Frage Kleiner oder Feiner ist doch berechtigt mal zu stellen. Qualität vor Quantität kann man doch mal untersuchen, das ist nicht gemacht worden, sondern es gab diese drei Holzklotzalternativen und dann Augen zu und durch hin zu Portal Ost. Es gab auch keinerlei Businessplan wie man das heute nennt und es gab keine konkrete Analyse der Wirtschaftlichkeit, – Frau Schmutzler Jäger hatte sich gerade lange damit beschäftigt, angesichts einer Messelandschaft, die einerseits immer komplizierter wird, und unter dem Strich meiner Meinung immer verlustreicher werden wird. Machen wir uns doch nichts vor. Das ist kein Zukunftsgeschäft. Das Ergebnis ist ein schöner Plan, aber es ist ein Tunnelblick, so würde ich das gerne bezeichnen, weil er erstens alternative Überlegungen einfach wegwischt und zweitens einfach drauf setzt: wir wollen bei den TopTen mitmischen. Es gibt andere Möglichkeiten, und das ist nicht ernsthaft untersucht worden.

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