Idyllische Inselstraße im Abendlicht. Aber …

[Update 7.8.2012]
Leserbrief des Anti Rassismus Telefon veröffentlicht


[Update 3.8.2012]

Die Essener Lokalausgaben der NRZ und der WAZ haben (unter verschiedenen Überschriften) einen gleichlautenden Artikel zu den näheren Umständen in der Inselstraße veröffentlicht.


Es wird immer deutlicher, dass es sich nicht nur um ein Problem der Polizei handelt, deren Pressemitteilung zu Berichten über „illegale Bewohner“ führte. Trotzdem bleibt die Frage, ob es vorher nicht auch andere Möglichkeiten der Lösung gegeben hätte.


Idyllische Inselstraße im Abendlicht. Aber …

Im Abend-Sonnenlicht ist die Inselstraße in Essen eine idyllische Straße mit Baumbepflanzung. Aber die Inselstraße ist keine Insel der Glückseligkeit. Wie an vielen anderen Orten der Welt, gab und gibt es auch hier Probleme, die auch die Probleme der Stadt insgesamt widerspiegeln:

Stress an der Inselstraße 04.02.2008 | 19:39 Uhr Die Anwohner der Inselstraße haben schon über 300 Unterschriften gegen die künftigen marokkanischen Nachbarn gesammelt, da sie laute Feiern, große Parkplatzprobleme und natürlich auch Wertminderung der Eigenheime und Eigentumswohnungen befürchten.

Das war 2008.

Erst vor drei Tagen berichtete die Polizei in einer Pressemitteilung von einer Polizeiaktion in der Inselstraße:

„Die Nachbarn nahmen regen Anteil an den behördlichen
Maßnahmen und suchten das Gespräch mit den Beamten.“
Mehr: 31.07.2013 | 12:31 Uhr POL-E: Essen …

Die Behördliche Maßnahme war die Durchsuchung eines Hauses und Vertreibung von Menschen, die in Essen nicht gemeldet waren.

Einige Zeitungen griffen das auf und berichteten von „illegalen Bewohnern“, die sich „illegal aufhielten“ und „illegal“ Müll entsorgten.

Das Essener Antirassismus-Telefon schrieb in einem Leserbrief dazu:

In den Zeitungsartikeln wird durch die Wiederholung des Wortes „illegal“ den Eindruck erweckt, dass die bloße Anwesenheit von Menschen eine Straftat ist:

„18 Erwachsene und Kinder .., die zum Teil ohne festen Aufenthalt in Deutschland sind und aus Rumänien und Bulgarien stammen“

Fakt ist: EU-Bürger können völlig legal bis zu 3 Monaten unangemeldet zu Besuch sein!

Wie kann man dann beim ersten Antreffen der Polizei behaupten, dass sie sich illegal in Deutschland aufhalten? Wie kann es berichtenswert sein, dass die Polizei in einer Wohnung andere Besucher außer der Einwohner angetroffen hat?

Aber gerade diese Feststellungen geben in der Zeitung und in dem Pressebericht der Polizei den Hintergrund ab, wodurch andere Vergehen
bzw. Ordnungswidrigkeiten (Ruhestörungen, Sachbeschädigungen oder die Ablagerung von Müll , das Besetzen von unbenutztem Wohnraum usw.) einen Ton von Schrecken und Horror bekommen. Menschen aus Bulgarien und Rumänien genauso so wie „Deutsche“ können bei reellen Vergehen zu Rechenschaft gezogen werden. Aber eine solche Großaktion mit Beteiligung der Anwohner („Die Nachbarn nahmen regen Anteil an den behördlichen Maßnahmen und suchten das Gespräch mit den Beamten“) bedient und vertieft leider immer wieder vorkommende Vorurteile .

Wir sagen und wiederholen es: die Verbreitung solcher „Schreckensmeldungen“ ist nicht mit verantwortlichem Journalismus und nicht mit verantwortlichen Polizeiarbeit vereinbar.

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