– Nachtrag auf einen Vortrag –

Vergangenheit erinnern:
Häftlinge in der DDR / Auch heute für seine Rechte kämpfen

Ich hatte mir am 2. Mai 2013 in der Alten Synagoge einen Vortrag über Häftlinge in der DDR angehört.

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_793176.html

Donnerstagsgespräch in der Alten Synagoge Unter dem Titel „HÄFTLING – FLÜCHTLINGE – ZEITZEUGE“ referiert Dr. Frank Hoffmann beim nächsten Donnerstagsgespräch der Alten Synagoge, 2. Mai, 19.30 Uhr zum Thema „Opfer des DDR-Regimes als Impuls für die demokratische Gesellschaft“. Der Eintritt zu Vortrag und Diskussion ist frei.

Es war nicht so einseitig, wie ich befürchtet hatte, und auch informativ.
Auch habe ich gelernt was die „Faulenbach-Formel“, besagt:

„Keine Relativierung der NS-Menschheitsverbrechen
mit Verweis auf Mißstände in der DDR,
keine Bagatellisierung dieser Mißstände
mit Verweis auf NS-Verbrechen.“

Es wurde damit ganz zu Anfang des Vortrages geklärt, was nicht zu vergleichen ist.

Das Rechtssystem der DDR hatte Gummi-Paragraphen mit der viele Äusserungen kriminalisiert werden konnten.
Nur ein Beispiel: http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegs-_und_Boykotthetze

Im Vortrag wurden auch sämtliche MfS-Untersuchungs-Gefängnisse und reguläre Strafanstalten („Zuchthäuser“) behandelt und ein Zeitzeuge, der einige Jahre dort verbracht hatte, sprach über schlimme Haftbedingungen.

Das hatte aber nichts mit dem Wirtschaftssystem zu tun, sondern Überwachung und Gesinnungsschnüffelei kann uns auch im Kapitalismus begegnen.

In Krisenzeiten, wie heute, mehr denn je.
Siehe: http://www.linksdiagonal.de/2013/04/30/bochum-schreddern-spitzeln-staatsversagen/

Auch wurden in den 1950er Jahren, der Zeit des Kalten Krieges, in der BRD Kommunisten, oder solche, die dafür gehalten wurden, verfolgt, und sogar von der Straße weg-verhaftet.

http://www.linksdiagonal.de/politik/1950-1960er-jahre-antikommunismus-heute/

Der hysterische Antikommunismus der 1950er und 1960er Jahre der BRD führte zum Abbau demokratischer Rechte und zu einer Unrechtsjustitz. Ein dunkeles Kapitel deutscher Justiz, das bis heute leider viel zu wenig aufgearbeitet worden ist.

Was mir aber am Ende des Vortrages von Herrn Hoffmann gefallen hatte, war die Aussage:

Sich an DDR-Unrecht erinnern, kann Anlaß sein, auch in der Demokratie Mut zu fassen, sich für seine Rechte einzusetzen.

Der Referent, Herr Hoffmann, sprach zwar gelegentlich von „zweiter Deutscher Diktatur“ als Gegensatz zu heutiger Demokratie, – das mag man kritisieren, wie zum Beispiel hier: http://blog.swiola.de/2007/11/18/ddr-zweite-deutsche-diktatur/ aber die „Faulenbach-Formel“ machte klar, was hier nicht zu vergleichen ist.

Ich füge hinzu, dass die erheblichen Demokratie-Defizite in der DDR (egal, ob man es nun Diktatur nennt oder nicht) auch nicht mit Verweis auf die Mängel in der BRD bagatellisiert werden dürfen,
– wir müssen uns immer für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen, und dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass es woanders noch schlimmer war oder ist.

Olaf Swillus.

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