Aus:
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2812%2962082-0/abstract

Published Online: 27 March 2013
The unequal health of Europeans: successes and failures of policies

Prof Johan P Mackenbach PhD a, Marina Karanikolos MSc b c, Prof Martin McKee MD b c

Summary

Europe, with its 53 countries and divided history, is a remarkable but inadequately exploited natural laboratory for studies of the effects of health policy. In this paper, the first in a Series about health in Europe, we review developments in population health in Europe, with a focus on trends in mortality, and draw attention to the main successes and failures of health policy in the past four decades. In western Europe, life expectancy has improved almost continuously, but progress has been erratic in eastern Europe, and, as a result, disparities in male life expectancy between the two areas are greater now than they were four decades ago. The falls in mortality noted in western Europe are associated with many different causes of death and show the combined effects of economic growth, improved health care, and successful health policies (eg, tobacco control, road traffic safety). Less favourable mortality trends in eastern Europe show economic and health-care problems and a failure to implement effective health policies. The political history of Europe has left deep divisions in the health of the population. Important health challenges remain in both western and eastern Europe and signify unresolved issues in health policy (eg, alcohol, food) and rising health inequalities within countries.

Aus RF-News:

http://www.rf-news.de/2013/kw13/bedrohliche-auswirkungen-der-europaeischen-krisenprogramme-auf-gesundheit-und-leben-der-massen

Bedrohliche Auswirkungen der europäischen Krisenprogramme auf Gesundheit und Leben der Massen

29.03.13 – Prof. Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine veröffentliche zusammen mit Kollegen in der medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ mehrere Artikel über bedrohliche gesundheitliche Auswirkungen der Krisenabwälzungsprogramme in Europa. Die Gesundheit breiter Bevölkerungsschichten werde durch die anhaltende Weltwirtschafts- und Finanzkrise mehr in Mitleidenschaft gezogen als die Wirtschaft. Viele Menschen können sich angesichts steigender Arbeitslosigkeit und tiefer Haushaltseinschnitte nicht mehr leisten, zum Arzt zu gehen oder Medikamente zu kaufen. In den am meisten betroffenen Ländern wie in Griechenland kämpfen Krankenhäuser darum, elementare Mindeststandards zu halten.

Dies stellt eine Studie fest, die Martin McKee gemeinsam mit Marina Karanikolos vom European Observatory on Health Systems and Policies und Johan Mackenbach von der Universität Rotterdam durchgeführt hat. Das Verhalten der EU-Kommission und der Regierungen von Deutschland und Frankreich, die diese Auswirkungen hartnäckig leugnen, vergleicht McKee mit den Verschleierungsmanövern der Tabakindustrie bezüglich der schädlichen Folgen des Rauchens.

Zynisch berufen sich „Experten“ von Troika, IWF und der Regierungen der großen EU-Länder auf Studien, wonach die Menschen gesundheitlich von Wirtschaftskrisen profitieren. Es gäbe z.B. weniger Verkehrsunfälle, wenn der Handel Schwächen aufweise und sich viele das teure Benzin nicht mehr leisten können, und die Leute schliefen mehr, wenn sie keine Arbeit haben. Die Tatsache, dass psychische Erkrankungen unter arbeitslosen Menschen besonders stark ansteigen, wird von diesen zynischen ‚Experten‘ damit abgetan, Menschen mit psychischen Erkrankungen verlören eben besonders schnell ihren Job.

Tatsächlich überwiegen die negativen gesundheitlichen Folgen der Abwälzung der gesamten Krisenlasten auf die breiten Massen bei weitem. Selbst in Deutschland sinkt die durchschnittliche Lebenserwartung unter der ärmeren Bevölkerung bereits. Während auch Geringverdiener noch 2001 im Durchschnitt 12,5 Jahre als Rentnerinnen und Rentner lebten, waren dies 2010 nur noch 10,5 Jahre.

Seit dem Jahr 2007 war die Zahl der Menschen, die sich das Leben nahmen, in Europa immer geringer geworden. Jetzt steigt die Suizid-Rate wieder an, am stärksten in Griechenland. „Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht von einem verzweifelten Händler oder sonstigen Kleinunternehmer erfahren, der keinen anderen Ausweg mehr wusste, als sich das Leben zu nehmen“, sagte ein Arzt im Fernsehbericht über das griechische Gesundheitswesen.

Infektionskrankheiten wie Aids und Malaria, die in Europa eingedämmt waren, brechen in Griechenland wieder massiv aus. Der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes liefert wegen zu spät geleisteter Zahlungen weniger Blutprodukte an Griechenland. Die Versorgung von Patienten, die nach einem Unfall oder einer Operation auf Blutkonserven angewiesen sind, ist katastrophal.

Zu den Bedingungen der sogenannten Rettungspakete, mit denen die EU-Imperialisten auf Kosten der Massen in Europa ihren Platz im weltweiten Konkurrenzkampf sichern wollen, gehört, dass Griechen ohne Krankenversicherung all ihre Kosten für gesundheitliche Versorgung selbst zahlen müssen. Nach einem Jahr ohne Arbeit verliert man die Krankenversicherung. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote derzeit bei 26,4 Prozent. Schon jetzt hat die Hälfte der arbeitslosen Griechinnen und Griechen keine Krankenversicherung mehr.

Kiparisia Karatzidou, Oberärztin im Papageorgiou-Krankenhaus in Thessaloniki: „Ich erlebe immer mehr Patienten, die keine Krankenversicherung mehr haben und erst zu uns kommen, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen oder ihre Krankheit schon zu weit fortgeschritten ist. Etwa Asthma-, Zucker- oder Krebskranke. Unter ihnen auch viele verängstigte Mütter mit ihren Kindern. Wäre dieser Job nicht zu meiner täglichen Routine geworden, würde ich losheulen. Aber das erspare ich Ihnen“ (Süddeutsche Zeitung vom 28. März 2013).

Während die öffentlichen Gesundheitsausgaben in Griechenland im Jahr 2009 noch 14 Milliarden betrugen, lagen sie im Jahr 2012 nur noch bei 9,5 Milliarden. In diesem Jahr sollen sie auf Druck der Troika noch einmal gesenkt werden. Dies feiern EU-Kommission und Merkel-Regierung als Erfolg!

Für die Arbeiter- und Volksbewegung in Europa sind dies weitere schwerwiegende Argumente dafür, mit aller Kraft auf einen länderübergreifenden gemeinsamen Kampf gegen die Abwälzung der Krisenlasten hinzuarbeiten.

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