Am Mittwoch, 15.8.2012, war in der WAZ über die Besichtigung des MHKW Karnap durch eine WAZ-Besuchergruppe zu lesen.

Täglich werden rund 3500 Tonnen, angeliefert von 450 Lastern, in Essens größter Mülltonne entsorgt. Schäfer hat noch mehr Zahlen für die Besucher in petto: So wurden im vergangenen Jahr 688.746 Tonnen Müll verheizt; umgerechnet hat jeder Einwohner der fünf Städte, die das Kraftwerk beliefern, 500 Kilo Müll produziert.

Euphorisch endet der Zeitungsartikel mit dem Satz:

„Aber eigentlich ist das doch wunderbar: Unser Müll sorgt für warme Füße und für eine warme Dusche.“

„Interessant, aber etwas einseitig“, schieb Dietrich Keil, Ratsherr von „Essen Steht AUF“ zu diesem WAZ-Bericht, und meinte, dass der Bericht wichtige Fragen vor allem der Umweltbelastung unerwähnt lasse. In einem Leserbrief führte er es weiter aus.

Leserbrief zu „Strom kommt aus der Mülltonne“, WAZ 15.8.

Vor vier Jahren nahm ich mit anderen Kommunalpolitikern ebenfalls an so einer interessanten Betriebsbesichtigung des MHKW Karnap teil. Anzuerkennen ist, wie dieser riesige „Müll“-Betrieb mit geringen Belästigungen der umliegenden Wohnbebauung arbeitet. Das liegt mit am 200m hohen Schornstein, durch den stündlich 100 000 cbm Abgas weiträumig verteilt werden. Trotz Filtern gelangen viele umweltschädliche Stoffe in die Umwelt, vor allem aber der Klimakiller CO2 – es ist der größte CO2-Emittent in Essen und Umgebung.

Das hat man der WAZ-Besuchergruppe nicht gesagt. Auch nicht, dass „Strom aus Müll“ nicht der Geschäftszweck ist. Tatsächlich werden von dem hohen Energiewert des Hausmülls (8000 kj/kg) lediglich 5 Prozent in Strom umgewandelt, der Anteil Heizdampf (Fernwärme) ist noch viel geringer. Alles andere ist Prozess- und Abwärme. Die Betreiber von RWE haben uns bestätigt, dass Karnap vor allem eine Müllverbrennungsanlage (MVA) ist und nicht an dem wenigen Strom, sondern an den städtischen Müllgebühren der Bürger verdient. Die industrielle Verbrennung zur Entsorgung (statt Recycling) des wertvollen Reststoffes „Müll“ ist ein Hauptverursacher der Luftverschmutzung weltweit.

Dietrich Keil, Ratsherr „Essen steht AUF“

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