Update 25.8.2012:
Gerade erst entdeckt. Am 18.8. gab es einen guten Kommentar in der NRZ zur Meo-Studie und die Reaktion der Essener Parteien darauf.

Update 19.8.2012:
Die Reaktion der Essener CDU auf Äusserungen der SPD Essen zu einer neuen Studie über die Situation Alleinerziehender fand nun auch in der Presse Widerhall: derwesten.de/staedte/essen/alleinerziehende-ruecken-in-den-fokus-id6991225.html


Viele (alleinerziehende) Mütter sehen sich noch immer mit dem Vorurteil der Bedürftigkeit, Beziehungsunfähigkeit oder mangelnder Flexibilität und Belastbarkeit im Arbeitsleben ausgesetzt – auch wenn sie berichten, dass sich dies in den letzten Jahren deutlich verbessert hätte. …

So sieht wohl die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder gerne die Situation Alleinerziehender:

Auf der Website ihres Ministeriums ( www.bmfsfj.de ) befindet sich dieser Satz und es wird folgendes Bild gezeichnet:

Fr 08.07.2011 Studie zeichnet neues Bild von Alleinerziehenden

Alleinerziehende Mütter sehen ihre Lebenssituation überwiegend positiv, verfügen über ein hohes Selbstvertrauen und haben verschiedene Strategien, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Dies ist das Ergebnis einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie „Lebenswelten und -wirklichkeiten von Alleinerziehenden“ des Sinus-Instituts.

Mit Hilfe der Studie entsteht erstmals ein differenziertes Bild von Alleinerziehenden, das die bisher unter dem Stichwort der Bedürftigkeit geführte Debatte aufbricht. Alleinerziehend zu sein wird von den meisten Frauen weniger als Lebenskonzept, sondern als eine Familienphase mit offenem Ausgang begriffen.

Viele der Befragten verwenden den Begriff „Alleinerziehend“ nicht aktiv zur Beschreibung ihrer derzeitigen Familiensituation. Zum einen, weil viele Mütter sich nicht als alleinerziehend betrachten – sie verfügen über gute soziale Netzwerke und werden im Alltag von Familien, Freunden oder Nachbarn unterstützt. Zum anderen, weil der Begriff als negativ besetzt empfunden wird. Viele Mütter sehen sich noch immer mit dem Vorurteil der Bedürftigkeit, Beziehungsunfähigkeit oder mangelnder Flexibilität und Belastbarkeit im Arbeitsleben ausgesetzt – auch wenn sie berichten, dass sich dies in den letzten Jahren deutlich verbessert hätte. …

Mehr auf www.bmfsfj.de …

Im Gegensatz dazu steht eine andere Studie der NRW Regionalagentur MEO e.V.: zur Lebenssituation Alleinerziehender. Das Analysepapier ist der Frage nachgegangen, wie die Lebenssituation für Alleinerziehende in der Region Mülheim an der Ruhr, Essen und Oberhausen (MEO) aussieht. Hierzu wurden zum einen Daten aus den Städten, der Agentur für Arbeit und des Landes Nordrhein-Westfalen ausgewertet.

Das Analysepapier ist hier als PDF herunterzuladen kann aber auch als Druckversion über die NRW Regionalagentur MEO e.V. bezogen werden.

Sie zeigt im Gegensatz zur Sinus-Meinungsumfrage, dass sich die Situation mitnichten verbessert hat. Das Gegenteil ist passiert: „Armut in Essen ist jung, weiblich und hat Kinder.“ Das haben die Politik und städtische Sozialexperten bereits vor zwei Jahrzehnten erkannt und angekündigt, die Lebenssituation Alleinerziehender entscheidend verbessern zu wollen. Daraus ist anscheinend nichts geworden:

Hier ein Zeitungsbericht darüber:

derwesten.de: Alleinerziehende in Essen werden im Stich gelassen

und hier die Reaktionen aus der Politik:

Essens SPD:

Situation Alleinerziehender muss verbessert werden
„Die Ergebnisse der Studie der Regionaldirektion NRW sind erschreckend“, so Karla Brennecke-Roos, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Dabei ist eine Verbesserung der Situation von Alleinerziehenden durchaus klare Zielvorgabe, etwa im JobCenter. „Wir haben uns dafür immer stark gemacht und auch in der Option konsequent dieses Ziel wieder vorgegeben, dabei macht es uns die schwarz-gelbe Bundesregierung aber immer schwerer, da sie die Mittel für Langzeitarbeitslos gnadenlos kürzt“, erklärt Dirk Heidenblut, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion, weiter.

Jetzt wird die SPD-Fraktion nach der Sommerpause den Punkt wieder auf die Tagesordnungen von Sozialausschuss und Jugendhilfeausschuss setzen lassen. „Denn hier müssen Angebote der Jugendhilfe und des JobCenters Hand in Hand gehen“, ist sich Karlheinz Endruschat, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses sicher.
Mehr auf spdessen.de…

Die CDU-Essen reagiert darauf:

CDU-Fraktion: SPD reagiert wie immer zu spät / Alleinerziehende Mütter und Väter brauchen Kita, Schule und Arbeitgeber.

Zur Reaktion der SPD-Ratsfraktion auf die Studie der MEO-Regionagentur macht die CDU-Fraktion darauf aufmerksam, dass sie schon in den letzten beiden Ratsperioden bei der Familienpolitik die richtigen Prioritäten dazu gesetzt hat.

Mehr auf cdu-fraktion-essen.de…

Und die Essener Linksfraktion lobt in einer Pressemitteilung (angebliche) Selbstkritik der SPD und kritisiert die CDU

17. August 2012 Linksfraktion-Essen
Alleinerziehende in Essen
DIE LINKE: SPD – gelungene Selbstkritik. CDU – an Ignoranz nicht zu toppen.

Die Ratsfraktion DIE LINKE begrüßt die Initiative der SPD bei dem erschreckenden Thema „Situation von Alleinerziehenden in Essen“ als gelungene Selbstkritik und hofft auf einen Anfang des Umdenkens in der Sozialpolitik innerhalb der Optionskommune Essen.

„Wir gehen mit der SPD überein, wenn wir, wie seit langem von den LINKEN gefordert, mehr den offenen Ganztag ausbauen, und zudem jeglichen Kürzungen im Kita-Ausbau energisch entgegenarbeiten. Die Kritik der CDU an der SPD macht den Bock zum Gärtner. Die neue Diskussion zeigt, wie dringend, die von der LINKEN beantragten Mittel für den OGS – in der letzten Haushaltsberatung von der CDU samt Viererbündnis abgelehnt – gebraucht werden. Gut, dass die SPD das jetzt auch einsieht. Die CDU ignoriert dabei ihr eigenes Handeln“, so Hans Peter Leymann-Kurtz, Fraktionsvorsitzender der LINKEN.

Nicht nur der Paritätische Gesamtverband kritisiert, zum zehnten Jahrestag von Hartz IV, die fehlende Förderung und spricht zudem von einem Klima geprägt durch „Misstrauen, Kontrolle und Drangsalierung“. Auch die Essener Erwerbsloseninitiativen bemängelt die zu häufig falschen Leistungsberechnungen und die mangelnde Bereitschaft des JobCenters, Alleinerziehende, über Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen, in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die öffentliche Versorgung den Unternehmen zu überlassen, was die CDU berücksichtigt haben möchte – in Form von Betriebs Kitas – ist zudem nicht akzeptabel.

Das tatsächliche Problem, und daher muss dieser Punkt völlig neu konzipiert werden, bilden die, die durch Hartz IV und fehlenden Mindestlohn, in die Armut gerutscht sind – unter Ihnen viele Alleinerziehende.

Leymann-Kurtz weiter: „Obwohl die Stellungnahme der SPD leidlich daran erinnert, dass sie selbst – auf Stadtebene durch Zustimmung zur Optionskommune und auf Bundesebene maßgeblich durch die Einführung von Hartz IV vor 10 Jahren (im Rahmen der Agenda 2010) – zu der Misere vieler Alleinerziehender beigetragen hat, ist umso mehr anzuerkennen, dass die SPD in der Vergangenheit begangenen Fehlern entgegen arbeiten will. An ihren Taten werden wir sie erkennen.“

Fraktion DIE LINKE. im Rat der Stadt Essen
Severinstr. 1, 45127 Essen
Tel.: 0201-17543313 Fax: 0201-17543318
E-Mail: info(at)linksfraktion-essen.de
Internet: www.linksfraktion-essen.de

siehe PM auf linksfraktion-essen.de

Damit ist sicher noch nicht alles zu diesem Thema gesagt worden. Bundestagswahlbewegung 2013 kann beginnen,
und weitere Beiträge zu diesem Thema können noch geschrieben werden.

Wer noch einen Beitrag zu dieser Frage hat,
ist sehr willkommen ihn zu senden.
( info (at) linksdiagonal.de )

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