Als ich das erste Mal von der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) hörte, – das war bei einem Vortrag im Essener Friedensforum – da machte ich mich noch darüber lustig.

Ich liebe ja Polemik und die Herausforderung im rhetorischen Wettstreit seinen Argumenten zum Durchbruch zu verhelfen.

Auch Marx’ Auseinandersetzung mit Eugen Dührings Vorstellungen, die sehr ironisch und in einem polemischen Stil verfasst ist, bereitete mir beim Lesen schon viel Genuss, und war mir ein Vorbild.

Jetzt habe ich aber entdeckt, dass es manchmal nicht glücklich macht nur ein Sieger zu sein. Manchmal möchte man ja auch Verständnis beim Meinungsgegner für eigene Ansichten und Befindlichkeiten erreichen.

Dazu gehört auch die Bereitschaft zuzuhören und den anderen zu verstehen.

In einer Zeit, als ich unter mißlungener Kommunikation, und allzu viel Polemik zwischen Menschen, die doch eigentlich gemeinsame Interessen vertreten, litt, begann ich mich dann wieder für das gewaltfreie Kommunikationmodell nach Marshall B. Rosenberg zu interessieren und schrieb dazu einiges auf:

www.linksdiagonal.de/politik/kommunikation/

Das Modell der Gewaltfreien Komunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg, gliedert sich in vier Komponenten:

1. Wertfrei die Situation beschreiben, die einem gefällt oder mißfällt.

2. Über das Gefühl sprechen, das diese Situation erzeugt. Fühlen wir uns verletzt, erschrocken, froh, amüsiert, irritiert usw.?

3. Im dritten Schritt sagen wir, welche Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen.

4. Eine konkrete Bitte aussprechen, was wir uns konkret von dem Gegenüber wünschen.

Ausführlicher hier beschrieben:
www.linksdiagonal.de/politik/kommunikation/

Gerade bin ich dabei in einer Auseinandersetzung genau diesem Schema zu folgen, und dieses Modell anzuwenden.

Soviel darf ich verraten: Jemand hatte etwas geschrieben, das ich sehr verletzend fand. Ich hatte mich darüber aufgeregt und fast drohend gefordert, dass diese Beileidigung zurück genommen werden müßte.

Bei solchen Sätzen denkt man gerne an Duelle,

de.wikipedia.org/wiki/Duell#Beleidigung

die aber heutzutage (zum Glück) aus der Mode geraten sind. Eine zeitgemäßere Form wäre die Beleidigungsklage vor einem Zivilgericht.

Womit könnte ich sonst drohen ?

Wer sich aber mit dem Modell der Gewaltfreien Komunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg beschäftigt, verliert plötzlich das Bedürfnis zu drohen, findet aber dennoch eine Möglichkeit sich auszudrücken und seine Würde zu wahren.

Und vielleicht ein Weg zu finden, der nicht mit dem Tod (Duell) oder einem Sieg (vor Gericht) endet, sondern mit einer Aussprache, die beiden Seiten nutzt.

Ich bin schon gespannt, wie meine ersten Versuche mit GFK enden.

Polemik, Ironie und die Lust am Spotten

Nach soviel GFK, jetzt doch noch etwas zur Ehrenrettung von Polemik, Ironie und der Lust am Spotten.

Ich liebe zum Beispiel dieses Lied: linksdiagonal.de/musik-und-gesang/knutna-navar-det-ar-nagot-konstigt-med-friheten/ Es ist voller Ironie:

Und deshalb ist auch Marx’ polemische Auseinandersetzung mit Eugen Dührings Vorstellungen “Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft” immer noch prima. Polemik und Ironie paßt nicht immer, in frechen Liedern und im Klassenkampf sind sie immer am richtigen Ort.

Auch Heinrich Heine konnte auch sehr spöttisch sein:

Hier ein Auszug aus “Deutschland – ein Wintermärchen”

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich Euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

“Den Engeln und den Spatzen” – das ist Spott pur.

Und es gefällt mir. Und bei allen “Sparpakten” und “Schuldenbremsen” aktueller den je: Siehe auch: http://www.linksdiagonal.de/2012/06/17/heinrich-heine-zu-besuch-bei-frauen-courage-in-essen/

Siehe auch: parteidebatte.die-linke.de

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