Offener Brief
Sofortiges „eigenständiges Bleiberecht“
für Nicole Marlyse Semek

Nicole Semek., 38 Jahre alt, kam im Dezember 2010 wegen Heirat mit einem deutschen Mann von Kamerun nach Deutschland. Sie erhielt eine Aufenthaltserlaubnis. Kaum angekommen, wollte ihr Mann sie zur Prostitution zwingen, wollte mit ihr wohl das „schnelle Geld“ machen. Nicole S. wehrte sich dagegen. Sie wollte arbeiten gehen, aber sie wollte ehrliche, saubere Arbeit haben. Und sie wollte schnell die deutsche Sprache lernen. Die Situation mit dem Ehemann eskalierte. Da sie sich seinem Willen verweigerte, sperrte er sie ein. Mit Hilfe der Polizei gelang ihr am 13. Mai 2011 die Flucht in ein Frauenhaus.
Inzwischen lebt sie in einer eigenen Wohnung

Nicole S. besuchte die Sprachschule und hat ab Juni 2012 einen weitergehenden Kurs bewilligt bekommen. Anfang Mai 2012 erhielt sie ein Schreiben der Ausländerbehörde Essen, dass sie innerhalb von 30 Tagen Deutschland verlassen müsse. Sie sei angeblich in ihrer Heimat besser aufgehoben, weil sie hier noch nicht integriert sei. Spätestens am 3. Juni 2012 soll sie ihre neue Heimat verlassen bzw. soll sie abgeschoben werden.

Wir finden diesen Vorgang gegenüber unserer Mitgliedsfrau Nicole nicht nachvollziehbar, ungeheuerlich, frauenfeindlich und unakzeptabel, und protestieren auf Schärfste gegen das Vorgehen der Essener Ausländerbehörde:

  • Nicole S. hat sich in vorbildlicher Weise unter Gefahr für Leib und Leben gegen die Zwangsprostitution zur Wehr gesetzt. Sie ist bereit, öffentlich mit ihrem Beispiel dagegen einzutreten, um Mädchen und Frauen vor diesem Schicksal zu bewahren und sie zu ermutigen, sich zu wehren.
  • Nicole hat nicht nur die Sprachschule mit Erfolg besucht, sie interessiert sich auch für die deutsche Kultur, für deutsche Traditionen. Dass sie erst seit 1,5 Jahren in Deutschland lebt, glaubt niemand, der sie näher kennenlernt.
  • Nicole S. wird von ihrer Familie in Kamerun nicht unterstützt. Im Gegenteil. Sie wurde von ihrer Familie aufgefordert, ihrem Ehemann zu gehorchen! Für die Familie ist es eine „Schande“, wenn sie zurück kommt. Sie wäre nun weder in ihrer alten noch in der neuen Heimat in Sicherheit! Hier soll sie ausgewiesen werden, weil sie nicht genug integriert sei, dort wird sie angefeindet, weil die die Familienehre und die Ehre des Landes beschädigt habe, weil sie nicht tat, was ihr Ehemann von ihr verlangte.
  • Nicole S. bemüht sich seit langem um Arbeit. Aber wer die Situation auf dem hiesigen Arbeitsmarkt kennt, weiß, wie schwer es ist, Arbeit zu finden.
  • In der ehrenamtlichen Arbeit bei den „Schwestern Theresa“ und dem Frauenverband Courage geht Nicole S. offen und freundlich auf alle Menschen zu, trotz der negativen Erfahrungen, die sie hier mit ihrem Mann gemacht hat. Sie spricht und lernt Deutsch im ganz normalen Alltag. Dass sie französisch spricht, ist eine große Bereicherung und hat schon einigen französisch-sprachigen Frauen bei Courage geholfen, sich leichter in der Gruppe zu „integrieren“.

Wir fordern die Ausländerbehörde Essen auf, das Menschen- und Frauenrecht zu achten, auch bei getrennt lebenden Frauen:
Wir fordern das sofortige eigenständige Bleiberecht für Frau Nicole M. Semek!
Frauenverband Courage – Gruppe Essen
i.a. Susanne Keil

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