In einer Erklärung „DAS FREIE WORT MACHT ÄRGER“ der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit vom 6. Mai 2011 zu dem Offenen Brief der Kommission Islam und Moscheen in Essen steht:

Auf die in einem mehrseitigen Schreiben aufgelisteten einzelnen Vorwürfe gegen den öffentlichen Vortragsabend, wie die Arbeit der Alten Synagoge insgesamt einzugehen, ist nicht unsere Absicht.

Genau das ist das Problem. Wenn man nicht auf die Argumente des Dialogpartners eingeht, sondern nur die Freiheit behauptet alles sagen zu können was man will, kommt kaum ein Gespräch zustande.

Schade eigentlich:

Leserbrief in der WAZ-Essen vom 7.Mai 2011

Denn Herr Balaban stellt in seinem offenen Brief auch die Bemühungen zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen dar.

Es wurde ein „Islamprediger im Internet“ von einer Gemeinde
nach Essen eingeladen. Als wir davon erfuhren, haben wie den Vorstand um ein Gespräch gebeten. In dem Gespräch wurde deutlich, dass dieser Prediger mit seinen Inhalten alles andere ist als förderlich,
um aus unseren Jugendlichen Erwachsene mit Respekt zu den Werten anderer Menschen zu machen.

Einstimmig wurde die Veranstaltung abgesagt und der „Prediger“ erhielt eine Ausladung.

Seit dem diskutieren wir, wie wir gegen solche Tendenzen weiterhin noch mehr vorgehen können. Wir sind froh, dass dieser „Prediger“ in Essen keine Plattform erhalten hat für seine Angriffe auf die Werte anderer Gesellschaftsgruppen.

Die Grundhaltung ist: Die Werte aller Menschen verdienen Anerkennung auf höchstem Niveau.

Wir erwarten mehr Möglichkeiten zur gegenseitigen kulturellen Begegnung in gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Anerkennung der Werte.

Sie werden sich gut an einige Projekte erinnern können. Es sind u.a.

„Engel der Kulturen“.
Hier sind die „Abraham Religionen“, wie Juden, Christen, Moslems auf
Friedenstour im Ruhrgebiet, in Deutschland, in Europa und darüber hinaus.

Fest der Abraham Religionen, das jährlich in einigen Kommunen im
Ruhrgebiet begegangen wird; auch dieses Fest weitet sich aus und wird von Bürgern sehr gut angenommen.

Interreligiöse Friedensfeste in unseren Stadtteilen.

Gegenseitige Gesprächsrunden in Gotteshäusern.

Ein Beispiel ist sehr erwähnenswert, weil wir genau dieses in unserer Zeit brauchen und fördern müssen:

DITIB-Ruhrgebiet hat vor kurzem eine Türkische Mädchengruppe zwischen 12-17 Jahren als „Integrationslotsen“ geschult. Dieses Seminar haben ca. 50 Junge Mädchen absolviert. Sie werden weiterhin fortgesetzt.

Wir haben dieser Mädchengruppe in der Moschee in Duisburg-Marxloh selber einen Vortrag über Integration, Demokratie und Öffnung zum Dialog halten dürfen.

Ein paar Tage später (Januar 2011) rief uns der Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde in Essen an uns brachte seine euphorische Freude zum Ausdruck.

Er berichtete uns von dem Besuch dieser Mädchengruppe (Integrationslotsen) in der Synagoge in der Ruhrallee in Essen (nicht die alte Synagoge).

Sie hätten stundenlang über Judentum, Gebetsrituale und Räumlichkeiten der Synagoge gesprochen. Die Mädchen hätte viele Fragen gestellt und konnen beantwortet bekommen.

Er würde es begrüßen, wenn wir solche Dialoge, neben unseren anderen Projekt- und Diaologstreffen, intensivieren und ausweiten würden. Er hat unsere feste Zus, weilage dazu erhalten.

Diese Offenheit zum Dialog, die Freude über den Austausch, der ehrliche Wunsch zur Nachhaltigkeit sind Fundamente, die uns helfen, uns gegenseitig besser kennen zulernen und das Positive, das Bindende und das Friedensfördernde an unsere Kinder weiterzugegeben, damit sie vorurteilsfrei, respektvoll und friedlich miteinander umgehen und zusammenleben können.

Ich bin selber öfters zu Gast in der Synagoge (Jüdische Kultusgemeinde); auch in der „Alten Synagoge“ war ich mehrmals zu Besuch.

Erklärung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zum Offenen Brief

Zitiert nach christlich-juedisch-interessen.de

Erklärung – 6. Mai 2011

DAS FREIE WORT MACHT ÄRGER!

Die ALTE SYNAGOGE muss Instanz öffentlichen Streits bleiben

Keinesfalls ist es so, dass  es dem kommissarischen Leiter der Alten Synagoge allein vorbehalten ist, das Ansinnen der „Kommission Ìslam und Moscheen in Essen“ zurückzuweisen. Die „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V.“ ist Mitveranstalter beim Vortrag von Chaim Noll am Donnerstag, den 12. Mai, im Rahmen der Reihe Donnerstagsgespräche. Insofern sind wir, was diese Veranstaltung betrifft, Teil der anmaßenden Angriffe des Vertreters der o.g. Kommission, Muhammet Balaban.

Auf die in einem mehrseitigen Schreiben aufgelisteten einzelnen Vorwürfe gegen den öffentlichen Vortragsabend, wie die Arbeit der Alten Synagoge insgesamt einzugehen, ist nicht unsere Absicht.

Dennoch weisen wir beide Aspekte entschieden zurück. Denn der in dem Brief formulierte politische Anspruch die Integrationspolitik im Sinne der „Kommission“ zu definieren ist im Sinne einer freien Diskussion in einer offenen Gesellschaft nicht akzeptierbar.

Noch vor wenigen Tagen(!), bei der Verabschiedung der Leiterin der Alten Synagoge, Dr. Edna Bocke, war – auch von Herrn Oberbürgermeister Paß – zu hören, dass es (so sinngemäß) die Funktion des Hauses jüdischer Kultur sei, Stachel zu sein im öffentliche Diskurs unserer Stadt. Warum soll es sich eine soeben als europäische Kulturhauptstadt verabschiedete Kommune nicht leisten können, einer ihrer bedeutenden Einrichtungen schlicht die Freiheit zu geben, nicht dem mainstream der Mehrheitsgesellschaft zu entsprechen?

Es gibt dafür keinen Grund! Der einzig mögliche Grund, diese Freiheit von Seiten der politisch Stadtverantwortlichen einzuschränken (und genau das ist die Absicht der „Kommission für Islam und Moscheen in Essen“) ist die Absicht, sich nicht öffentlich kritisch mit diesen Anfragen auseinandersetzen zu wollen. Das ist nicht pragmatisch, sondern tendiert zu Opportunismus. Es ist nicht hinnehmbar, wofür „der Islam“ hier herhalten muss.

Die Alte Synagoge, nicht zuletzt in ihrer Reihe Donnerstagsgespräche, ist bzw. war einer der wenigen Orte in dieser Stadt, in der Themen und Fragen öffentlich formuliert wurden, die die gängigen Annahmen der Mehrheitsgesellschaft befragt haben. Das war häufig unbequem. Wer aber dem demokratischen Diskurs und das freie Wort als Bequemlichkeit eines vorgegebenen, nur noch machtvoll durchzusetzenden Integrationsbegriffs versteht, gibt auf, was getroffen werden soll: Die öffentliche, zivilisierte Kontroverse in Freiheit!

Die Reaktionen der politisch Verantwortlichen sind eine Erschütterung für die politische Kultur unserer Stadt. Warum stellen sie sich nicht vor die Mitarbeiter der Institution und die Arbeit, für die sie Verantwortung tragen – auch dann, wenn sie persönlich oder aus anderen Erwägungen nicht mit dem Inhalt dieser Arbeit gänzlich übereinstimmen?

Karl H. Klein-Rusteberg, Geschäftsführer

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